Krise im Senegal Proteste gegen Präsident Macky Sall

Nach der Festnahme eines wichtigen Oppositionellen erschüttern schwere Unruhen den Senegal. Enttäuschung über Präsident Macky Sall macht sich breit, vor allem die Jugend fordert Veränderungen.
Straßenszene nach Protesten in Dakar (Foto vom 3. März)

Straßenszene nach Protesten in Dakar (Foto vom 3. März)

Foto: JOHN WESSELS / AFP

Steine fliegen, Autos brennen, mehrere Menschen starben: So schwere Proteste wie derzeit gab es im Senegal seit Jahren nicht. Für diese Woche sind weitere Demonstrationen angekündigt.

Auslöser für die Proteste war die Anklage gegen Ousmane Sonko, einen der führenden Oppositionellen des Landes. Dem 46-Jährigen wird Vergewaltigung vorgeworfen. Er selbst weist die Anschuldigung als haltlos zurück; für seine Anhänger steht fest, dass es sich um einen politisch motivierten Prozess handelt.

Auf dem Weg zu seiner Anhörung in dem Fall wurde Sonko am Freitag von der Polizei festgenommen. Der Vorwurf: Er habe seine Anhänger zur Gewalt aufgerufen und so versucht, die Justiz zu behindern. Seither sitzt der Parlamentsabgeordnete und Anführer der oppositionellen Pastef-Partei in Haft. Übers Wochenende kam es daraufhin in der Hauptstadt Dakar und in mehreren anderen Landesteilen zu gewaltsamen Protesten.

In Dakars Stadtzentrum errichteten Studenten Barrikaden rund um die Cheikh-Anta-Diop-Universität und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Auch in der Casamance, einer ländlichen Provinz im Süden des Landes, kam es zu heftigen Ausschreitungen. Die Regierung ließ zeitweilig das Internet sperren , zwei private Fernsehsender wurden geschlossen. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und massiver Gewalt gegen die Demonstrierenden vor. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, mehrere starben.

Enttäuschte Hoffnung

Lange galt der Senegal als eine der stabilsten Demokratien Westafrikas, die Wirtschaft wuchs – dass der Zorn der Jugend jetzt so in Gewalt umschlägt, zeigt die Enttäuschung in der Bevölkerung über die Politik von Präsident Macky Sall.

Der hatte 2012 den greisen Abdoulaye Wade abgelöst und war mit dem Versprechen angetreten, der Wirtschaft zum Aufschwung zu verhelfen und Vetternwirtschaft und Korruption zu beenden. Viele junge Menschen setzten große Hoffnung in Sall. Er war der erste Präsident, der nicht mehr während der Kolonialherrschaft der Franzosen zur Welt gekommen war und verhieß dem Land eine bessere Zukunft.

Doch fast zehn Jahre später leidet das Land noch immer unter massiver Jugendarbeitslosigkeit, Tausende sehen keine Perspektive und entschließen sich zur Migration. Viele setzen nun ihre Hoffnung auf Oppositionsführer Sonko.

Viele sehen politisches Kalkül hinter den Vorwürfen

Ihre Vermutung: Die aktuellen Vorwürfe sollen Sonko als Kandidaten für die nächsten Präsidentschaftswahlen ausschalten. In der Vergangenheit waren wiederholt Gegner Salls, etwa der ehemalige Bürgermeister von Dakar, möglicher Straftaten beschuldigt worden und konnten deshalb aus verfassungsrechtlichen Gründen später nicht mehr bei Präsidentschaftswahlen antreten.

Oppositionsführer Sonko hätte wohl gute Chancen aufs Präsidentenamt. Bei den Wahlen 2019 konnte er bereits den dritten Platz erkämpfen, vor allem dank der Stimmen junger Wählerinnen und Wähler. Und deren Ablehnung gegenüber der Regierung dürfte angesichts des Umgangs mit den aktuellen Protesten noch weiter zunehmen.

bmo
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.