Medienberichte Serbiens Behörden sollen russische Oppositionelle bespitzelt haben

Serbien positioniert sich unter Präsident Aleksandar Vučić als russlandfreundlich. Ein Belgrader Nachrichtenportal berichtet nun, dass die Regierung eine kremlkritische Organisation beschatten ließ.
Serbiens Präsident Aleksandar Vučić gilt als kremlfreundlich

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić gilt als kremlfreundlich

Foto: MARKO DJOKOVIC / EPA

Das serbische Innenministerium hat laut einem Medienbericht im vergangenen Jahr russische Oppositionelle in Belgrad beschattet und bespitzelt. Anschließend sei der serbische Innenminister Aleksandar Vulin nach Moskau gereist und habe die Abschriften der abgehörten Gespräche persönlich dem russischen Sicherheitsratschef Nikolai Patruschew übergeben, berichtete das oppositionelle Belgrader Nachrichtenportal Nova.rs am Montag.

Das Portal habe Kenntnis von diesem Vorgang sowie vom Inhalt des Gesprächs zwischen Vulin und Patruschew erlangt, hieß es auf der Website. Konkret ging es um ein Treffen von Aktivisten der kremlkritischen Organisation »Offenes Russland« im Mai vergangenen Jahres in einem Belgrader Hotel.

Organisationsleiter befindet sich in Untersuchungshaft

Unter den Teilnehmern war der Leiter der Organisation, Andrej Piwowarow. Er wurde zwei Wochen nach dem Treffen auf dem Flughafen von St. Petersburg von den russischen Behörden festgenommen. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40-Jährigen die Leitung einer »unerwünschten Organisation« vor.

Teilnehmer des Treffens hatten gegenüber Nova.rs bestätigt, dass sie während ihres Belgrader Aufenthaltes bemerkt hätten, laufend beschattet worden zu sein. Vulin wiederum soll dem Portal zufolge in Moskau seinem russischen Gesprächspartner versichert haben, dass er wisse, dass »Offenes Russland« »gegen russische Interessen« handele.

»Für Serbien ist der Kampf gegen farbige Revolutionen extrem wichtig«, soll er hinzugefügt haben. »Farbige Revolutionen« sind Umstürze in ehemaligen Sowjetrepubliken, durch die – wie zuletzt in der Ukraine 2014 – kremlfreundliche Regierungen die Macht verlieren. Unter dem autoritären Präsidenten Aleksandar Vučić hat sich Serbien als russlandfreundlich positioniert.

muk/dpa
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