Großveranstaltung Serbien verbietet für Samstag geplante Europride-Parade

Die Regierung in Serbien stellt sich gegen die geplante Europride-Parade in Belgrad. Offizielle Begründung: die Krise, die Sicherheitslage. Doch zuvor hatte es heftige Proteste gegen die Veranstaltung gegeben.
Flaggen zur Europride in Belgrad: Die Veranstalter wollen gegen das Verbot vorgehen

Flaggen zur Europride in Belgrad: Die Veranstalter wollen gegen das Verbot vorgehen

Foto: Oliver Bunic / AFP

Als erstes südosteuropäisches Land soll Serbien in diesem Jahr die Europride ausrichten. Nun darf der Höhepunkt der mehrtägigen Veranstaltung nicht stattfinden. Serbische Behörden haben die für Samstag geplante Europride-Parade in Belgrad abgesagt. Die Polizei habe die paneuropäische Großveranstaltung der LGBTQ+-Bewegung verboten, indem sie ihnen »den offiziellen Bescheid ausgehändigt« habe, erklärten die örtlichen Organisatoren Belgrade Pride in Online-Netzwerken. »Belgrade Pride wird alle verfügbaren rechtlichen Mittel nutzen, um diese Entscheidung rückgängig zu machen«, erklärten sie.

In diesem Jahr sollte die Europride laut ursprünglicher Planung vom 12. bis 18. September in der serbischen Hauptstadt stattfinden; für den vorletzten Tag ist der Pride March vorgesehen, der mit der Parade zum Christopher Street Day vergleichbar ist. Die Europride findet seit 1992 jedes Jahr in einer anderen europäischen Großstadt statt.

Die geplante Veranstaltung hatte in Serbien jedoch zahlreiche Kritiker mobilisiert. Am Sonntag hatten Tausende Bürger in Belgrad gegen die erste in Serbien geplante Europride-Parade protestiert. Unter den Demonstranten fanden sich Anhänger rechtsextremer Gruppierungen, Motorradrocker und serbisch-orthodoxe Priester. Die Kirchengemeinde spielte in der Vergangenheit eine wichtige Rolle bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung über Schwule, Lesben und andere sexuelle Minderheiten. So brandmarkte sie die Pride-Paraden in Belgrad als »Schande«.

Absage mit derzeitigen Krisen und Sicherheitslage begründet

Bereits Ende August hatte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić eine Absage oder Verschiebung der Europride angekündigt. Zur Begründung verwies er auf Engpässe bei der Energie- und Lebensmittelversorgung sowie Sicherheitsbedenken. Begründet wurde der Beschluss zudem mit dem Streit mit Nachbarland Kosovo. Es gehe darum, alle Kapazitäten der Sicherheitskräfte bereitzuhalten. Für die Sicherung der Europride-Parade blieben nicht genügend Polizeikräfte übrig. Nun haben die Behörden diesen Beschluss offiziell gemacht.

»Es wäre ein fatales Signal und ein enormer Rückschritt, wenn ausgerechnet der Höhepunkt der EuroPride 2022 nicht stattfinden könnte oder nur unzureichend geschützt wird.«

Sven Lehmann, Queer-Beauftragter der Bundesregierung

Zuvor hatte sich bereits der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, in einem Schreiben an die serbische Regierung gewandt. Er hatte darin appelliert, die geplante Parade stattfinden zu lassen und entsprechend zu schützen. »Ganz Europa schaut gerade auf Serbien. Menschen aus vielen Ländern Europas werden in Belgrad zu Gast sein«, schrieb der Grünenpolitiker in einem Brief an Präsident Vučić und Premierministerin Ana Brnabic. »Es wäre ein fatales Signal und ein enormer Rückschritt, wenn ausgerechnet der Höhepunkt der EuroPride 2022 nicht stattfinden könnte oder nur unzureichend geschützt wird.« Das Schreiben lag der Nachrichtenagentur dpa vor.

Europride erklärten nach Übermittlung des offiziellen Verbotsbescheids, dass sie an dem Termin festhalten wollten. »Der Staat kann Europride nicht absagen – er kann nur versuchen, sie zu verbieten, was ein klarer Verstoß gegen die Verfassung wäre«, erklärte Koordinator Marko Mihajlovic.

In Serbien ist die gleichgeschlechtliche Ehe nicht anerkannt, und Homophobie ist, trotz einiger Fortschritte in den vergangenen Jahren, in dem Land tief verwurzelt.

Die Parade der nationalen LGBTQ+-Bewegung in dem Land, die Belgrade Pride, wurde in den Jahren 2001 und 2010 von Gewalt und Ausschreitungen überschattet. Seit 2014 hat die Belgrade Parade regelmäßig – unter einem großen Polizeiaufgebot – stattgefunden.

asc/AFP/dpa
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