Folgeschäden nach Nowitschok-Anschlag Sergej Skripal leidet an Atemnot

Mehr als zwei Jahre nach dem Giftanschlag von Salisbury hat der frühere britisch-russische Doppelagent Sergej Skripal noch immer mit den Folgen zu kämpfen. So erzählt es seine Tochter im Gespräch mit einer Verwandten.
Julia und Sergej Skripal (Archivfoto von 2018)

Julia und Sergej Skripal (Archivfoto von 2018)

Foto: imago/ Russian Look

Sergej Skripal, der 2018 einen Giftanschlag mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok überlebte, hat infolge des Angriffs offenbar dauerhafte Schwierigkeiten mit der Atmung. Das erzählte die Tochter des britisch-russischen Doppelagenten ihren Verwandten in Russland.

Wie Sergej Skripals Nichte Viktoria Skripal dem SPIEGEL bestätigte, rief dessen Tochter Julia am 21. November bei ihr an. Dabei habe sie geschildert, dass Sergej Skripal rund um die Uhr von einer medizinischen Pflegekraft betreut werde. Er atme durch eine Kanüle, die täglich gereinigt werden müsse. Dies schränke ihn beim Sport ein und hindere ihn am Autofahren.

Viktoria Skripal gab einen Mitschnitt des Anrufs an die Boulevardzeitung »Moskowskij Komsomolez«, die das Telefongespräch abdruckte . Schon in der Vergangenheit hatte sie in russischen Talkshows familiäre Details öffentlich gemacht, weshalb sie von Julia Skripal gerügt wurde.

Julia Skripal selbst hat nach eigenen Angaben kaum bleibende Schäden durch das Attentat davongetragen. Sie klagte in dem Telefonat lediglich über Probleme, ihre Augen zu fokussieren.

Mit Sergej Skripals 93 Jahre alter Mutter lebt Viktoria Skripal in Jaroslawl nördlich von Moskau. Julia und Sergej Skripal leben offenbar weiterhin in Großbritannien, an getrennten Orten. Beide waren im März 2018 bewusstlos auf einer Bank an Sergej Skripals Wohnort Salisbury gefunden worden.

Wie sich herausstellte, war der Nervenkampfstoff Nowitschok auf den Türgriff von Skripals Haus aufgetragen worden. Die Substanz aus der Zeit des Kalten Krieges wurde in den Laboren der Sowjetunion entwickelt und produziert. Offiziere des russischen Militärgeheimdienstes GRU, dem auch Skripal einst angehört hatte, waren zum selben Zeitpunkt in der Gegend um Salisbury gesichtet worden.

Strafverfolger und Nachrichtendienste aus zahlreichen Ländern sind überzeugt, dass der GRU hinter dem Anschlag auf Skripal steckt (mehr dazu lesen Sie hier ). Eine Britin wurde Zufallsopfer des Anschlags. Das Nervengift, an dem sie starb, war identisch mit der beim Attentat auf die Skripals verwendeten Substanz.

In diesem Jahr geriet Nowitschok erneut in die Schlagzeilen: Auch beim Anschlag auf den russischen Oppositionspolitiker Alexej Nawalny kam ein Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe zum Einsatz.

esc