Chinesische Coronapolitik Shanghai macht sich locker(er)

Nach monatelangem Lockdown stellen Shanghais Behörden weitere Lockerungen der Coronaauflagen in Aussicht. Busse sollen wieder fahren, auch die Banken der Finanzmetropole werden geöffnet. Doch einige Maßnahmen gelten weiter.
Freiwillige bei Corona-Schutzmaßnahmen in Shanghai (am 26. Mai): Behörden versprechen »normalisierte Vorsorge und Kontrolle«

Freiwillige bei Corona-Schutzmaßnahmen in Shanghai (am 26. Mai): Behörden versprechen »normalisierte Vorsorge und Kontrolle«

Foto: Ming De / Future Publishing / Getty Images

Die chinesische Millionenmetropole Shanghai hat weitere Lockerungen der strikten Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus angekündigt. Die aktuelle epidemische Lage habe sich stabilisiert und verbessere sich weiter, sagte die Sprecherin der Regierung von Shanghai, Yin Xi. Die Strategie sei nun eine normalisierte Vorsorge und Kontrolle. So würden ab Montag die Testbestimmungen erleichtert.

Bereits am Sonntag öffnete nach wochenlanger Schließung ein Einkaufszentrum in der Innenstadt, in dem unter anderem Luxusmarken angeboten werden. Von Mittwoch an soll in der Wirtschafts- und Finanzmetropole, in der rund 25 Millionen Menschen leben, der zwei Monate dauernde Lockdown im Wesentlichen aufgehoben werden.

Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder den öffentlichen Raum betreten möchte, muss ab Mittwoch einen negativen PCR-Test vorweisen, der nicht älter als 72 Stunden ist. Zuvor waren es 48 Stunden. Dadurch solle die Wiederaufnahme der Arbeit erleichtert werden, sagte Sprecherin Yin. Bis Montag soll der Busverkehr in der Umgebung des größten Flughafens der Stadt und des wichtigsten Finanzzentrums wieder vollständig aufgenommen werden. Am Mittwoch sollen 240 Finanzinstitute wiedereröffnen. Bereits seit Ende April ist wichtigen Herstellern unter anderem der Auto-, Chemie- und Halbleiterbranche die Produktion erlaubt.

Im März hatte Shanghai wegen wieder aufflammender Coronainfektionen einen Lockdown verhängt. Das öffentliche Leben wurde in zwei Stufen bis zum 5. April heruntergefahren. Am Sonntag wurden in Shanghai rund hundert Coronafälle verzeichnet, in Peking waren es 21. Dies spiegelt einen landesweiten Abwärtstrend bei den Infektionszahlen wider. Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus wurden in China nicht gemeldet.

In Peking wurden am Sonntag zum Teil Museen, Bibliotheken, Theater und Fitnessstudios wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet – wenn auch die Personenzahl begrenzt ist und dies nur für Bezirke gilt, in denen sieben Tage in Folge kein neuer Coronafall registriert wurde.

Die angekündigten Lockerungen erfolgen vor dem Hintergrund massiver wirtschaftlicher Schäden durch Lockdowns in Shanghai und anderswo . Die Immobilienverkäufe brachen im April landesweit so stark ein wie seit 16 Jahren nicht mehr, während die Industrie ihre Produktion drosselte, der Einzelhandel weniger umsetzte und die Investitionen unerwartet schwach wuchsen. Die Arbeitslosenquote in China schnellte auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Einige Ökonomen erwarten sogar, dass die nach den USA zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt im laufenden zweiten Quartal schrumpfen könnte.

mic/Reuters