Sicherheitspanne Passant findet britische Militärpläne an Bushaltestelle

Es geht um die Mission eines Zerstörers vor der Halbinsel Krim und den möglichen Aufbau einer neuen Afghanistan-Mission: In Großbritannien sind sensible Militärunterlagen aufgetaucht – an einem nicht wirklich geheimen Ort.
Zerstörer »HMS Defender« (Archivbild): Informationen über Zwischenfall mit Russland

Zerstörer »HMS Defender« (Archivbild): Informationen über Zwischenfall mit Russland

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GLYN KIRK / AFP

Die britische Regierung ist gerade auf der Suche nach einer Sicherheitslücke, die interne Aufnahmen von einem Techtelmechtel des Gesundheitsministers durchgestochen hat – da macht bereits die nächste peinliche Panne Schlagzeilen. Laut einem Bericht der BBC hat ein Mitarbeiter als geheim eingestufte Unterlagen aus dem Verteidigungsministerium an einer Bushaltestelle vergessen.

Ein Passant habe die völlig durchweichten Dokumente in der südostenglischen Grafschaft Kent entdeckt und sie der BBC übergeben, berichtete der Sender am Sonntag. Es handle sich nicht um unbemerkt aus einer Tasche gerutschte einzelne Blätter, sondern um immerhin knapp 50 Seiten, darunter E-Mails und Präsentationen (den vollständigen Bericht finden Sie hier ).

Darin geht es unter anderem um einen Zwischenfall mit Russland: Der britische Zerstörer »HMS Defender« war bei der Vorbeifahrt an der von Russland militärisch annektierten Halbinsel Krim mit russischen Verbänden in Konflikt geraten. In den Papieren von der Bushaltestelle werden mögliche Reaktionen Londons diskutiert.

Plant London eine neue Afghanistan-Mission?

Die britische Regierung hatte betont, die »Defender« habe – wie von internationalem Recht gedeckt – den schnellsten Weg zwischen zwei Punkten gewählt. Aus Sicht Moskaus ist das Kriegsschiff illegal in russische Hoheitsgewässer eingedrungen. Die Küstenwache habe Warnschüsse und Bomben eingesetzt, um die »Defender« abzudrängen. London hingegen spricht von einer russischen Militärübung und betont, der Zerstörer habe die Freiheit der Schifffahrt durchgesetzt.

Deutlich sensibler sind Dokumente mit der Kennzeichnung »Secret UK Eyes Only«. Darin geht es laut BBC um Empfehlungen für den möglichen Aufbau einer weitergehenden militärischen Präsenz Großbritanniens in Afghanistan nach dem Abzug der offiziellen Nato-Verbände.

Aus dem Verteidigungsministerium hieß es nun: »Wie die Öffentlichkeit erwarten würde, trifft das Verteidigungsministerium alle Planungen mit Umsicht.« Deshalb würden »alle potenziellen Faktoren« einbezogen, wenn »operative Entscheidungen« getroffen werden.

beb/dpa
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