Korruptionsprozess nach Bunga-Bunga-Skandal Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft für Berlusconi

Hat Italiens Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach dem Skandal um seine wilden Partys junge Frauen zu Falschaussagen gedrängt? Die Anklage ist davon überzeugt – und will den 85-Jährigen auch finanziell bestrafen.
Silvio Berlusconi bei einer Parteiveranstaltung Ende Mai in Neapel

Silvio Berlusconi bei einer Parteiveranstaltung Ende Mai in Neapel

Foto: Ciro Fusco / ZUMA Press / IMAGO

Im Korruptionsprozess um Silvio Berlusconis sogenannte Bunga-Bunga-Partys hat die Anklage in Italien eine Haftstrafe von sechs Jahren gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten gefordert. In ihrem Plädoyer forderten die Staatsanwälte am Mittwoch in Mailand zudem, einen Teil von Berlusconis Vermögen in Höhe von 10,8 Millionen Euro zu beschlagnahmen. Darüber hinaus sollen vier Häuser in Mailand sichergestellt werden.

Dem 85-Jährigen wird in dem Verfahren unter anderem Zeugenbestechung vorgeworfen. In der Causa geht es um als Bunga-Bunga-Partys bekannt gewordene Feiern mit jungen Frauen, die mehr als zehn Jahre zurückliegen.

Der Prozess in Mailand ist schon der dritte im Nachgang zu dem Skandal von 2010. Berlusconi war bereits wegen Amtsmissbrauch und Förderung von Prostitution Minderjähriger angeklagt und aus Mangel an Beweisen am Ende freigesprochen worden. Im jetzigen Verfahren geht es darum, ob Berlusconi die jungen Frauen zu Falschaussagen vor Gericht gedrängt hatte. Der Medienunternehmer bestreitet die Vorwürfe.

Neben Berlusconi auch »Ruby« angeklagt

Staatsanwältin Tiziana Siciliano hatte Berlusconi in dem Prozess vorgeworfen, sich bei seinen Feiern Haremsdamen und »bezahlte Sex-Sklavinnen« gehalten zu haben.

Neben dem Politiker sind 27 weitere Personen angeklagt, darunter eine der jungen Frauen, die bei den Feiern anwesend waren. Sie nannte sich Ruby Rubacuori und gab den »Ruby«-Affären Berlusconis den Namen. Die Staatsanwaltschaft fordert für sie und die anderen Angeklagten – etwa die Parlamentarierin Mariarosaria Rossi – mehrjährige Haftstrafen.

Berlusconi-Anwalt Federico Cecconi geht laut Nachrichtenagentur Ansa von einem Freispruch aus. »Es gab kein Verbrechen«, sagte er.

Das Urteil in dem Prozess wird nicht vor Ende September erwartet. Ende 2021 hatte ein Gericht in Siena Berlusconi wegen Zeugenbestechung im Fall Ruby freigesprochen. Am Mittwoch bekräftigten die Anführer des Mitte-Rechts-Parteiblocks ihre Unterstützung für Berlusconi.

slü/dpa/Reuters
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