Sipri-Bericht zur weltweiten Rüstung So viel Umsatz machen die größten Waffenkonzerne

Die Verkaufserlöse von US-Rüstungsfirmen schrumpfen. Chinesische Unternehmen hingegen wachsen, russische stagnieren. Und der Krieg in der Ukraine könnte viele Probleme der Branche verschärfen.
Himars-Raketenwerfer des US-Herstellers Lockheed Martin

Himars-Raketenwerfer des US-Herstellers Lockheed Martin

Foto: Petra News Agency / dpa

Mit dem Verkauf von Waffen und militärischen Dienstleistungen setzten die hundert größten Waffenkonzerne 592 Milliarden Dollar im Jahr 2021 um. Das geht aus Daten hervor, die das Stockholmer Institut für Friedensforschung Sipri nun veröffentlicht hat. Die Forscher verzeichnen einen Anstieg der Umsätze von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das Geschäft der Waffenfirmen wuchs dem Institut zufolge damit zum siebten Mal hintereinander. Die Wachstumsrate war 2021 zwar höher als im Vorjahr. Allerdings lag sie deutlich niedriger als in den Jahren vor Corona.

Die Pandemie machte der Rüstungsindustrie auch 2021 zu schaffen. Coronabedingte Störungen in den globalen Lieferketten führten zu Verzögerungen und zu Engpässen bei wichtigen Einzelteilen. »Ohne die anhaltenden Probleme bei den Lieferketten hätten wir für 2021 einen noch stärkeren Anstieg der Waffenverkäufe erwarten können«, sagt Sipri-Expertin Lucie Béraud-Sudreau.

Krieg in der Ukraine verschärft die Probleme

Der Krieg in der Ukraine dürfte diese Probleme noch verschärfen. Der russische Überfall auf das Nachbarland Ende Februar dieses Jahres stellte die Rüstungsfirmen vor noch größere Lieferkettenprobleme – nicht zuletzt, weil es sich bei Russland um einen der wichtigsten Lieferanten von Rohstoffen handelt, die in der Waffenproduktion gebraucht werden.

Dies könnte die Bemühungen der USA und europäischer Länder beeinträchtigen, ihre Streitkräfte zu stärken und Depots aufzufüllen. Das Anliegen ist umso dringlicher, nachdem viele westliche Länder Munition und andere Ausrüstungsgegenstände im Wert von Milliarden Dollar an die Ukraine geliefert haben. »Sollten die Lieferkettenprobleme anhalten, könnten einige der wichtigsten Waffenhersteller Jahre brauchen, um die durch den Krieg in der Ukraine geschaffene Nachfrage zu bedienen«, sagt Sipri-Forscher Diego Lopes da Silva.

Russische Waffenkonzerne trifft der Krieg auf andere Weise. Zwar haben sie Berichten zufolge wegen des Konflikts ihre Produktion hochgefahren. Allerdings haben sie laut Sipri enorme Schwierigkeiten, an Halbleiter zu kommen. Außerdem treffen die Finanzsanktionen, die der Westen im Zuge des russischen Einmarschs verhängte, die Unternehmen hart. So teilte der Konzern Almas-Antei mit, dass er keine Zahlungen für einige seiner Waffenexporte empfangen konnte.

US-Firmen dominieren – aber ihr Umsatz schrumpft

Von den 100 größten Rüstungskonzernen der Erde haben 40 ihren Sitz in den USA. Seit 2018 kamen die fünf umsatzstärksten Waffenfirmen stets aus dem Land. Die USA dominieren damit weiterhin die Rüstungsbranche.

Allerdings sank laut Sipri der Umsatz der 40 US-Firmen im Jahr 2021 um fast ein Prozent. Nordamerika war damit die einzige Region der Erde, die im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang bei Rüstungsverkäufen verzeichnete. Dieser war laut den Stockholmer Forschern teilweise auf die hohe Inflation in der US-Wirtschaft im Jahr 2021 zurückzuführen.

Die fünf umsatzstärksten Waffenkonzerne sind – wie im Vorjahr – die US-Unternehmen Lockheed Martin, Raytheon, Boeing, Northrop Grumman und General Dynamics. Es folgen, ebenfalls wie im Jahr 2020 schon, die britische Firma BAE Systems sowie vier chinesische Konzerne.

Europa: Einbußen bei Flugzeugen, Zuwächse bei Schiffen

Die italienische Firma Leonardo verkaufte 2021 mehr als alle anderen Firmen aus der EU. Weltweit rangiert sie auf dem zwölften Platz. Rheinmetall liegt als größtes deutsches Waffenunternehmen global auf dem 31. Platz.

Insgesamt haben 27 der umsatzstärksten 100 Rüstungsfirmen ihren Sitz in Europa. Sie setzten laut Sipri 2021 123 Milliarden Dollar um – ein Anstieg von gut vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die meisten europäischen Rüstungskonzerne, die auf den Bau von Flugzeugen spezialisiert sind, hätten mit Einbußen zu kämpfen gehabt, schreiben die Forscher. Schiffbauer hingegen verzeichneten demnach Zuwächse.

Chinesische Firmen wachsen, russische stagnieren

21 der umsatzstärksten Waffenfirmen kamen 2021 aus Asien. Ihr Umsatz lag bei 136 Milliarden Dollar, ein Anstieg von knapp sechs Prozent. Die acht chinesischen Firmen auf der Liste setzen 109 Milliarden Dollar um, ein Plus von mehr als sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Konzern CSSC, die Nummer 15 im Sipri-Ranking, avancierte laut den Stockholmer Forschern zum größten militärischen Schiffbauer der Welt.

Das südkoreanische Unternehmen Hanwha Aerospace machte gut siebeneinhalb Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr: insgesamt 2,6 Milliarden Dollar. Es ist einer von vier südkoreanischen Konzernen unter den Top 100. In den kommenden Jahren werden seine Umsätze wohl deutlich steigen. Der Grund: Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine schloss Hanwha Aerospace einen bedeutenden Waffendeal mit Polen ab.

Sechs russische Unternehmen finden sich im aktuellen Sipri-Bericht unter den größten Rüstungsfirmen der Welt. Ihr Umsatz lag mit 17,9 Milliarden Dollar weniger als ein halbes Prozent über dem des Vorjahrs. Die Stockholmer Fachleute schreiben, es gebe Anzeichen für Stagnation in der gesamten russischen Waffenindustrie.

asa
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