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Angriff auf slowakischen Premier Fico Was über den mutmaßlichen Attentäter bekannt ist

Der bei einem Attentat schwer verletzte slowakische Regierungschef Robert Fico hat nach einer mehrstündigen Operation laut Medienberichten wieder das Bewusstsein erlangt. Der Täter soll ein 71 Jahre alter Schriftsteller sein.
Polizisten nahmen den mutmaßlichen Attentäter fest

Polizisten nahmen den mutmaßlichen Attentäter fest

Foto:

Radovan Stoklasa / AP

Der slowakische Regierungschef Robert Fico ist bei einem Attentat angeschossen und schwer verletzt worden. Laut slowakischen Medienberichten hat er nach einer mehrstündigen Operation wieder das Bewusstsein erlangt. Der stellvertretende slowakische Ministerpräsident Tomáš Taraba hatte zuvor gesagt, Fico befinde sich nicht mehr in Lebensgefahr.

Das Lokalfernsehen RTV Prievidza veröffentlichte ein Video vom Tathergang: Zu sehen ist, wie sich ein Mann vor dem Kulturhaus der Stadt Handlová an einen Absperrzaun drängt und aus unmittelbarer Nähe auf den Ministerpräsidenten schießt, als dieser Anhänger begrüßen will.

Szene aus dem Lokalfernsehen: In der Mitte ist zu sehen, wie eine Waffe auf Robert Fico gerichtet wird

Szene aus dem Lokalfernsehen: In der Mitte ist zu sehen, wie eine Waffe auf Robert Fico gerichtet wird

Foto: Rtv Prievidza / REUTERS

Ein Reporter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens RTVS, der den mutmaßlichen Täter nach der Festnahme aus der Nähe sehen konnte, schilderte ihn als älteren Mann. Er habe desorientiert gewirkt und Blut auf der Stirn gehabt – vermutlich weil er von Polizisten überwältigt und auf den Boden gedrückt worden war.

Wenige Stunden später bestätigte der slowakische Innenminister Matúš Šutaj-Eštok Medienberichte zur Identität des mutmaßlichen Attentäters. Auf die Frage, ob es sich um einen 71 Jahre alten Schriftsteller aus dem Zentrum der Slowakei handle, sagte er: »Ich denke, ich kann das bestätigen, ja.«

Der Mann soll den Medienberichten zufolge aus der Stadt Levice rund 150 Kilometer östlich von Bratislava kommen und Gründer eines Literaturklubs sein. Demnach ist er zudem Mitglied der offiziellen slowakischen Schriftstellervereinigung, was diese später auf Facebook bestätigte. Sie kündigte an, die Mitgliedschaft »dieser abscheulichen Person« zu kündigen, sollten sich die Vorwürfe erhärten.

Der Sohn des Mannes erklärte gegenüber dem slowakischen Nachrichtenportal aktuality.sk, sein Vater besitze legal eine Waffe. Er habe früher als Wachmann gearbeitet. Auf die Frage, ob sein Vater Hass auf Regierungschef Fico verspüre, antwortete er: »Er hat ihn nicht gewählt, mehr kann ich dazu nicht sagen.«

Nach AFP-Recherchen veröffentlichte der Mann mehrere politische Statements in Onlinenetzwerken. Vor acht Jahren sagte er in einem davon, die Welt sei »voller Gewalt und Waffen« und die Menschen schienen »verrückt zu werden«. Zudem sprach er über seine Sorgen über Immigration und »Hass und Extremismus«. Er selbst habe eine »Bewegung gegen Gewalt« gegründet.

Slowakische Medien zeigen ein Video, das den mutmaßlichen Attentäter nach seiner Festnahme zeigen soll und in dem dieser sagt, er sei gegen die von der Regierung geplante Auflösung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Pläne sorgen nicht nur in der Slowakei seit Wochen für Aufsehen: Mit radikalen Eingriffen in die Kultur- und Medienpolitik arbeitet die Regierung von Robert Fico am Umbau des Staates. 

vet/AFP