Umstrittener Ex-König Juan Carlos darf Spanien besuchen – aber nicht über Nacht

Seit zwei Jahren lebt Spaniens früherer Monarch im Exil. Nun soll ihn sein Sohn Felipe laut Medienberichten nach Madrid eingeladen haben. Wirklich willkommen scheint Juan Carlos dort allerdings nicht zu sein.
Unliebsamer Gast: Spaniens Ex-König Juan Carlos

Unliebsamer Gast: Spaniens Ex-König Juan Carlos

Foto: John Thys/ AFP

Laut Medienberichten hat Spaniens König Felipe VI. eingewilligt, seinen umstrittenen Vater und ehemaligen den König von Spanien, Juan Carlos, in Madrid zu treffen. Das habe Felipe bei einem Telefonat mit seinem im Exil in Abu Dhabi lebenden Vater zugesagt, berichteten der staatliche spanische TV-Sender RTVE  und andere Medien unter Berufung auf das Königshaus.

Der König habe das Telefonat von Abu Dhabi aus geführt. Dorthin sei er für einen Kondolenzbesuch beim bisherigen Kronprinzen von Abu Dhabi und neuen Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed, geflogen. Zuvor war Zayeds Halbbruder Khalifa Bin Zayed, der viele Jahre Präsident der Emirate war, im Alter von 73 Jahren gestorben.

Ein Termin für die erste Reise des spanischen Altkönigs in die Heimat, die er im Sommer 2020 verlassen hatte, sowie eine offizielle Bestätigung des Telefonats wurden zunächst nicht bekannt.

König Felipe wahrt Distanz zu seinem Vater

Anfang März hatte Juan Carlos nach der Einstellung aller Strafermittlungen gegen sich verlauten lassen, er wolle vorerst zwar im Exil bleiben, der Heimat aber bald sporadische Besuche abstatten.

Die einflussreiche Tageszeitung »El Mundo«, die dem Königshaus nahesteht, hatte am Freitag berichtet, Juan Carlos sei ungehalten, weil sein Sohn nur einen Kurzbesuch in der Königsresidenz Zarzuela bei Madrid ohne Übernachtung erlauben wolle. Felipe ist wie die linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez darauf bedacht, Schaden am Königshaus durch zu große Nähe zu Juan Carlos zu vermeiden.

Nach einer Umfrage vor gut einem halben Jahr ist eine knappe Mehrheit der Spanier (53 Prozent) davon überzeugt, dass die Monarchie eine nicht mehr zeitgemäße Institution ist, die abgeschafft gehört. Schuld daran dürfte auch Juan Carlos tragen.

Immerhin entging der heute 84-Jährige unter anderem nur deshalb einem Strafverfahren wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten, weil er entweder durch seine Immunität als König bis zu seiner Abdankung 2014 geschützt war oder die Taten verjährt waren. Sánchez betonte, der Ex-Monarch schulde dem spanischen Volk eine Erklärung.

atb/dpa