Umstrittenes Projekt der linken Regierung Spanisch soll in Spanien nicht mehr offizielle Schulsprache sein

Die spanische Regierung will die Rolle der Regionalsprachen im Unterricht stärken – und lässt sich bei der Reform von einer katalanischen Partei unterstützen. Die rechte Opposition schäumt.
Spanische und katalanische Flaggen: Ringen um die nationale Identität

Spanische und katalanische Flaggen: Ringen um die nationale Identität

Foto: SUSANA VERA/ REUTERS

In Spanien ist erneut ein Streit über die Stellung des Spanischen im Verhältnis zu den Regionalsprachen ausgebrochen. In dem Entwurf für eine Reform des Bildungsgesetzes wird Spanisch nun nicht mehr wie bisher als "offizielle Sprache" und Verkehrssprache im Bildungswesen bezeichnet, wie mehrere spanische Medien übereinstimmend berichten. Das setzten die Regierungsparteien PSOE und Unidas Podemos gemeinsam mit der katalanischen Regionalpartei ERC im Bildungsausschuss des Parlamentes durch.

Die rechten Oppositionsparteien Partido Popular (PP) und Ciudadanos kündigten an, notfalls bis vor das Verfassungsgericht zu ziehen, um den Vorstoß zu stoppen. Sie sehen die Rolle des Spanischen als Verkehrssprache des Landes gefährdet und warfen der Regierung vor, sich von nationalistischen Regionalparteien abhängig zu machen.

Die Minderheitsregierung von Premier Pedro Sánchez ist im Parlament auf die Unterstützung der katalanischen Regionalpartei ERC angewiesen. Die ERC kämpft seit Jahren für eine Stärkung der katalanischen Sprache in den Schulen der Regionen. Sánchez setze die Zukunft der Kinder aufs Spiel, um an der Macht zu bleiben, schrieb Oppositionsführer Pablo Casado  (PP) auf Twitter.

Bildungsministerin Isabel Celaá begründete die angestrebte Gleichstellung des Spanischen mit Regionalsprachen wie etwa dem Katalanischen und dem Baskischen mit dem Recht der Schüler, beide Sprachen möglichst gut zu sprechen. Laut Entwurf müssen Schulen künftig nur noch garantieren, dass beide Sprachen beherrscht werden. Vorher waren sowohl das Spanische, als "offizielle Sprache", als auch die jeweilige Regionalsprache dezidiert geschützt.

Ringen um die nationale Identität

Bei dem Streit geht es indirekt auch um die nationale Identität des Landes. Dazu schwelt seit Jahrzehnten ein Konflikt. Vor allem Konservative sehen Spanien als zentralistisches Land mit Spanisch als Hauptsprache. Linke und regionale Minderheiten betrachten es als einen Verbund von Regionen mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen. Zusätzlich angeheizt wird der Streit durch separatistische Bestrebungen in Katalonien.

Dass der Begriff "Spanisch als offizielle Sprache" im Gesetz gestrichen werden soll, ist deshalb mehr als ein Zwist um Begrifflichkeiten. Zwar werden Schüler etwa in Katalonien schon jetzt überwiegend auf Katalanisch unterrichtet. Aber im Konfliktfall haben das letzte Wort nicht die Regionen, sondern das Oberste Gericht und das Verfassungsgericht Spaniens. In den vergangenen zehn Jahren hatten Gerichte entschieden, dass in Katalonien mindestens ein Viertel der Unterrichtsstunden auf Spanisch abgehalten werden muss, wenn die Eltern das wünschen. Die Formulierung im Entwurf ist nun bewusst vage gehalten und dürfte es beispielsweise katalanischen Regionalparteien leichter machen, ihre Vorstellungen durchzusetzen.

Die überwiegende Mehrheit der Spanier beherrscht als Muttersprache nur Spanisch. Viele Regionen wie Katalonien, das Baskenland, Galicien, Asturien, Aragon und Valencia haben jedoch ihre eigenen Regionalsprachen. Die meisten Menschen dort sind praktisch zweisprachig. Regionalparteien achten darauf, dass auch die jeweilige Regionalsprache in den Schulen verwendet wird.

slü/dpa
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