Ende der diplomatischen Eiszeit Spanien und Marokko vereinbaren engere Kooperation beim Thema Migration

Mehr Geld, bessere Zusammenarbeit: Marokko verspricht Spanien, wieder mehr Migranten und Flüchtlinge aufzuhalten, bevor sie EU-Boden erreichen. Auslöser ist ein historisches spanisches Zugeständnis.
Pedro Sánchez Anfang April in Rabat

Pedro Sánchez Anfang April in Rabat

Foto: Mariscal / Agencia EFE / IMAGO

Spanien und Marokko wollen künftig enger zusammenarbeiten, um irreguläre Migration in die EU zu verhindern. Das kündigten die beiden Regierungen am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung nach einem Treffen von Vertretern in Rabat an. Demnach sollen unter anderem die Kommunikation der Sicherheitsbehörden beider Länder verbessert und gemischte Einsatzteams geschaffen werden.

Die Erklärung betont, dass die Rückkehr von Migranten »ein wesentliches Mittel zur Abschreckung« sei. Auch wird darauf verwiesen, dass Marokko im Rahmen des langfristigen EU-Haushalts »mehr Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung« erhalten solle.

Das Ende der Erpressung?

Spanien bezahlt Marokko schon lange dafür, dass das Königreich Flüchtlinge und Migranten aufhält, bevor sie europäischen Boden erreichen können. Marokko nutzt das regelmäßig als Druckmittel, um neue Zugeständnisse zu erpressen. Zuletzt ließen marokkanische Grenzwächter Tausende marokkanische Teenager in die spanische Enklave Ceuta einreisen. Die linke spanische Regierung schickte daraufhin gepanzerte Fahrzeuge und schleppte viele Angekommene direkt wieder zurück.

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez war vor einigen Wochen auf die Regierung in Rabat zugegangen. Er hatte in einem Brief ausdrücklich den Vorschlag Marokkos unterstützt, die Westsahara zu einer autonomen Provinz unter marokkanischer Souveränität zu machen.

Die Anerkennung der marokkanischen Vorherrschaft über die ehemalige spanische Kolonie ist eine historische Zäsur. Marokko hatte darauf jahrzehntelang hingearbeitet. Im Gegenzug lud der marokkanische König Mohammed VI. Sánchez zum traditionellen Fastenbrechen nach Rabat ein. Das Entgegenkommen beim Thema Migration ist ein weiteres Zeichen der Entspannung.

Der Weg von Westafrika auf die kanarischen Inseln ist eine der tödlichsten Migrationsrouten der Welt. Oft verpassen die wackeligen Flüchtlingsboote die Inseln. Laut dem Uno-Flüchtlingshilfswerk kamen in diesem Jahr bisher mehr als 6.000 Schutzsuchende auf den Kanaren an, das sind deutlich mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres.

slü/AFP
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