Spannungen mit dem Kosovo Serbiens Präsident Vučić kündigt Abbau von Straßenblockaden an

Im Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo gibt es ein erstes Zeichen der Entspannung. Die demonstrierenden Serben sind offenbar bereit, ihre Straßensperren zu entfernen.
Serbiens Präsident Aleksandar Vučić (2020): »Es ist ein langwieriger Prozess«

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić (2020): »Es ist ein langwieriger Prozess«

Foto: Marko Djurica / REUTERS

Im Konflikt zwischen Serbien und Kosovo zeichnet sich für die seit 19 Tagen andauernden Straßenblockaden eine Lösung ab. Die Serben würden am Donnerstagmorgen mit dem Abbau der Barrikaden beginnen, kündigte der serbische Präsident Aleksandar Vučić am Mittwochabend nach einem Treffen mit Serben aus dem nördlichen Kosovo in der serbischen Stadt Raska an. »Es ist ein langwieriger Prozess. Es wird eine Weile dauern.« Innerhalb von 24 bis 48 Stunden seien die Barrikaden entfernt. »Aber das Misstrauen wird nicht beseitigt.«

Vučić appellierte auch im serbischen Fernsehen an die Protestierenden. »Was haben wir davon, wenn die Barrikaden bleiben? Ich kann Ihnen fünfhundert Dinge sagen, die wir bekommen können, wenn sie entfernt werden«, sagte er nach Angaben des staatlichen Senders RTS.

Straßenblockade in Mitrovica

Straßenblockade in Mitrovica

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STAFF / REUTERS

Auslöser der Proteste war die Festnahme eines serbischen Polizisten, der bei einer früheren Demonstration Polizeibeamte des Kosovo angegriffen haben soll. Die serbischen Demonstranten fordern seine Freilassung und errichteten im Zuge der teils gewaltsamen Proteste Straßenblockaden. Ein Gericht in Pristina ordnete nun an, dass er aus der Haft entlassen und in Hausarrest überstellt wird.

Kosovos Premierminister Albin Kurti kritisierte die Gerichtsentscheidung unterdessen. »Ich bin neugierig, wer der Staatsanwalt ist, der so einen Antrag stellt, und wer der Richter ist, der so einer Entscheidung zustimmt, wenn es eine Anklage wegen Terrorismus gibt«, sagte Kurti auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Die Spannungen in der Region hatten sich in dieser Woche verschärft, nachdem Serbien am Montag die Armee in Alarmbereitschaft versetzt und Kosovo am Mittwoch den größten Grenzübergang geschlossen hatte. Die Nato, die USA und die Europäische Union zeigten sich besorgt über die Entwicklung und riefen zu Zurückhaltung und Dialogbereitschaft auf.

Serbien beansprucht Territorium von Kosovo

Das heute fast ausschließlich von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört und ist seit 2008 unabhängig. 1999 hatte die Nato Serbien bombardiert, nachdem serbische Sicherheitskräfte albanische Zivilisten getötet und vertrieben hatten. Bis 2008 hatte die Uno-Mission Unmik das Kosovo verwaltet. Mit der Unabhängigkeit findet sich Serbien nicht ab und beansprucht das Territorium des Landes für sich.

sol/Reuters/AFP/AP
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