Rücktritt von Gotabaya Rajapaksa Sri Lankas Parlament soll kommende Woche neuen Präsidenten wählen

Massenproteste haben Sri Lankas Präsidenten Rajapaksa zur Flucht in Ausland getrieben. Per Mail hat er schließlich seinen Rücktritt erklärt. Kommende Woche soll das Parlament nun über seine Nachfolge entscheiden.
Sir Lankas Hauptstadt Colombo: Ein Mann liest in der Zeitung vom Rücktritt des Präsidenten

Sir Lankas Hauptstadt Colombo: Ein Mann liest in der Zeitung vom Rücktritt des Präsidenten

Foto: Dinuka Liyanawatte / REUTERS

Sri Lanka steckt in einer schweren Krise. Nach dem Rücktritt von Staatschef Gotabaya Rajapaksa soll in dem südasiatischen Land in der kommenden Woche ein neuer Präsident gewählt werden. Das Parlament werde am Mittwoch über Rajapaksas Nachfolger abstimmen, teilte das Büro von Parlamentspräsident Mahinda Yapa Abeywardana mit. Rajapaksa hatte am Donnerstag von Singapur aus per E-Mail seinen Amtsverzicht erklärt, am Freitag trat der Rücktritt offiziell in Kraft.

Die Kandidaturen für den Posten des Staatschefs sollen laut Angaben des Parlamentspräsidenten-Büros am Dienstag entgegengenommen werden. Einen Tag später findet dann die Wahl im Parlament statt.

Der Rücktritt des bisherigen Präsidenten Rajapaksa, der vor Massenprotesten ins Ausland geflohen war, wurde am Freitag rechtskräftig. Regierungschef Ranil Wickremesinghe wurde noch am selben Tag als Übergangspräsident vereidigt. Der neue amtierende Staatschef erklärte kurz nach seiner Vereidigung, er wolle in Sri Lanka für Recht und Ordnung sorgen und sich an die Verfassung halten. Gemäß der Verfassung ist Wickremesinghe so lange Übergangspräsident, bis das Parlament aus seiner Mitte heraus einen neuen Präsidenten für die restliche Amtszeit Rajapaksas wählt, dessen Mandat regulär im November 2024 geendet hätte.

Rajapaksa war am vergangenen Samstag kurz vor der Erstürmung des Präsidentenpalastes durch Demonstranten aus der Hauptstadt Colombo geflohen. Er setzte sich dann in der Nacht zum Mittwoch mit seiner Ehefrau in einem Militärflugzeug auf die Malediven ab. Seine Ankunft dort löste allerdings Proteste aus. Rajapaksa reiste daraufhin am Donnerstag nach Singapur weiter.

Seit Monaten war es in Sri Lanka immer wieder zu Protesten gekommen, die zum Teil von Gewalt begleitet waren. Den 22 Millionen Einwohnern mangelt es an Lebensmitteln, Treibstoff und Medikamenten. Grund ist unter anderem eine starke Abwertung der Landeswährung, wodurch Importe erheblich teurer wurden. Die Demonstranten in Sri Lanka machen Rajapaksa und Wickremesinghe für die schwere Wirtschaftskrise in Sri Lanka verantwortlich. Am vergangenen Wochenende stürmten Demonstranten den Amtssitz des Präsidenten, am Mittwoch auch das Parlament und das Büro des Ministerpräsidenten .

asc/AFP/Reuters
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