Stammzellenfleisch aus Singapur So schmeckt die Zukunft

Eier, Huhn und Fisch aus dem Labor: Singapur ist das erste Land weltweit, in dem Fleisch aus Stammzellen vermarktet werden darf. Wird die Welt davon in Zukunft satt – und wie schmeckt das überhaupt?
Aus Singapur berichten Maria Stöhr und Amrita Chandradas (Fotos)
Hähnchenfleisch aus dem Labor – die Zukunft unserer Ernährung? In Singapur veranstaltet das Unternehmen Eat Just regelmäßig Dinner zum Testessen

Hähnchenfleisch aus dem Labor – die Zukunft unserer Ernährung? In Singapur veranstaltet das Unternehmen Eat Just regelmäßig Dinner zum Testessen

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Globale Gesellschaft

In Reportagen, Analysen, Fotos, Videos und Podcasts berichten wir weltweit über soziale Ungerechtigkeiten, gesellschaftliche Entwicklungen und vielversprechende Ansätze für die Lösung globaler Probleme.

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Stellen Sie sich kurz vor, Sie könnten die Welt mit Chicken-Nuggets retten. Sie müssten die Nuggets einfach nur essen. Sie würden auf echtes Hühnerfleisch beißen, und doch wäre kein Tier für Ihre Mahlzeit gestorben. Es wäre im Labor gewachsen, aus einer einzigen Hühnerzelle. Stellen Sie sich vor, es gäbe auf einmal genug Fleisch aus dem Labor, um alle Menschen auf der Welt sattzukriegen. Der Hunger wäre bekämpft. Die Böden, auf denen jetzt der Futtermais wächst, der die Hühner fett und schlachtreif macht, könnten umgenutzt werden. Vielleicht für einen gemischten Wald, der CO₂ aus der Luft zieht. Die Massentierhaltung, wie wir sie heute kennen, bräuchte niemand mehr.

Sie haben natürlich recht. Wo die Wörter »Lösung« und »einfach« in einem Absatz stehen, da muss man aufpassen in diesen komplizierten Krisenzeiten. Aber es gibt einen Ort, an dem an dieser Utopie gearbeitet wird. Wo man sie, und das ist ja, wenn die Lösung durch den Magen gehen soll, entscheidend – verkosten kann. Wo das Chicken-Nugget, das die Welt retten könnte, schon auf Tellern serviert wird. Willkommen in Singapur.

Auch Satay-Spieße aus Laborfleisch stehen beim Probeessen auf dem Menü: Ist das unser Essen der Zukunft?

Auch Satay-Spieße aus Laborfleisch stehen beim Probeessen auf dem Menü: Ist das unser Essen der Zukunft?

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Singapur ist das erste und bisher einzige Land der Welt, in dem im Labor gezüchtetes Fleisch vermarktet und vom sogenannten Endverbraucher konsumiert werden darf. Die Regierung hat ein Interesse daran, dass die Techniken für die Lebensmittel der Zukunft im eigenen Land erfunden werden. Einmal, weil es sich um ein Big Business handeln könnte: Investoren weltweit setzen auf den neuen Food-Sektor Milliarden US-Dollar. Alternative Proteine, einschließlich im Labor gezüchteten Fleisches, machen heute zwei Prozent des weltweiten Fleischmarkts aus. Bis 2035 könnte sich ihr Anteil verfünffachen. Spätestens seit die Lebensmittelpreise infolge der Pandemie und des Krieges in der Ukraine derart in die Höhe gehen und mit Blick auf die Hunger- und Umweltkrisen der Welt bezeichnen einige Fachleute Fleisch aus Stammzellen als eine lebensmitteltechnologische Revolution.

Jonathan Tee King Yan stellt den Gästen die Vision der Firma Eat Just vor – die Weltbevölkerung sattzubekommen, ohne dass ein Tier dafür sterben muss

Jonathan Tee King Yan stellt den Gästen die Vision der Firma Eat Just vor – die Weltbevölkerung sattzubekommen, ohne dass ein Tier dafür sterben muss

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Chefkoch Chong Jun Xiang frittiert das Laborhähnchen

Chefkoch Chong Jun Xiang frittiert das Laborhähnchen

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Das kleine Singapur ist, außerdem, abhängig von Lebensmittelimporten. 90 Prozent kommen aus dem Ausland, eigene landwirtschaftliche Flächen gibt es fast keine. Bis 2030 will die Regierung das ändern, fördert Start-ups, die an Rezepturen für Eier ohne Ei forschen. Intelligente Dachgartensysteme, wo die Salatköpfe wie an einer sich selbst bewässernden Litfaßsäule wachsen. Und dann eben, ganz besonders, die Stammzellentechnologie. Milch aus Stammzellen. Fisch aus Stammzellen. Fleisch aus Stammzellen.

In Kurzform geht die Laboridee so: Tieren werden per Biopsie Stammzellen entnommen, die in flüssigem Stickstoff gefroren und so mehrere Jahre haltbar gemacht werden. Um Fleisch zu produzieren, werden diese Zellen in einem Bioreaktor vermehrt. Die Technologie ist noch nicht massentauglich, aber theoretisch könnte man aus einer einzigen Entnahme von Zellen Hunderte Tonnen Fleisch produzieren.

Das amerikanische Silicon-Valley-Start-up Eat Just ist mit einem Labor nach Singapur umgezogen. Es arbeitet an Hähnchenfleisch, will es in den nächsten Jahren in die Supermärkte bringen. Donnerstags lädt das Unternehmen eine Gruppe ausgewählter Testpersonen ins schicke Marriott Hotel mitten in Singapur ein. Anfang November sitzen an einem langen Tisch, um die Zukunft serviert zu bekommen: Investoren, Lebensmitteltechnologinnen, Unternehmerinnen und ich.

Einer der Gäste probiert die Satay-Spieße

Einer der Gäste probiert die Satay-Spieße

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Während des Essens läuft an der Wand ein Film über den Zustand der Welt: Erderwärmung, Fluten – und Hunger

Während des Essens läuft an der Wand ein Film über den Zustand der Welt: Erderwärmung, Fluten – und Hunger

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Das Dinner

Beim Dinner wird der Raum abgedunkelt, an die Wände projiziert läuft ein Film über die Klimakrise, kaputte Böden, hungernde Bevölkerungen, steigende Meeresspiegel. Sogar die ersten drei Gänge des Menüs, die alle vegan sind, haben Namen wie Weltuntergangsfilme. »Forest Floor«, »Fields of Corn«, »Flooded Future«.

Wir erfahren, wie Menschen über Jahrtausende Vögel hochzüchteten bis zu dem Hähnchen, wie wir es heute kennen: eine der wichtigsten Proteinquellen der Weltbevölkerung. 23 Milliarden Hühner gibt es  auf der Erde. Um sie zu mästen, zu schlachten, zu kühlen, zu gefrieren, zu transportieren, erzählt uns die Stimme im Video, werden große Mengen Energie und Flächen verbraucht, die Klimakrise angefacht. Alles weil der Mensch, obwohl es heute oft nicht mehr sein müsste, weiterhin zu viel Fleisch essen will.

Endlich wird der Gang hereingetragen, das Chicken-Nugget aus dem Labor, für das alle an diesem Abend gekommen sind. Die Kellnerin reicht uns die Teller, stellt vor:

Maple Waffle, Crispy Cultivated Chicken Bite, Hot Sauce

Ein frittiertes Stück Laborhähnchen auf einer Waffel, mit einem Tupfen brauner Soße, garniert mit rosa Blüten

Könnte man die Welt mit Chicken-Nuggets retten?

Könnte man die Welt mit Chicken-Nuggets retten?

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Reporterin Maria Stöhr beim Testessen

Reporterin Maria Stöhr beim Testessen

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Die Technik des Essens hatte schon oft in der Geschichte der Menschheit das Zeug, Kultur zu verändern und das Leben von vielen. Obst gären. Brot backen. Salz jodieren. Feuer machen. Tiere züchten. Die Sache ist: Damit ein neues Nahrungsmittel, das in der Theorie Sinn ergibt, in der Praxis überzeugt, muss es erschwinglich, in großen Mengen verfügbar sein. Und vor allem: Es muss schmecken.

Der Geschmack.

Das Messer fährt durch die Panade, dann durch das Fleisch. Mein erster Gedanke: Es wirkt weicher als normales Hähnchenfleisch, fast lässt es sich mit der Gabel durchdrücken. Ich kratze etwas Panade ab, um das Fleisch zu sehen. Sieht heller aus als gewöhnliches Hähnchen, fast weißlich-grau. Erster Biss: Weich, ich kaue auf wenig Substanz, etwas faserig, erinnert mich an Tofu. Bisschen wässrig. Aber: Schmeckt definitiv nach Huhn, riecht auch danach.

Der Tischnachbar sagt: Da ist noch Luft nach oben. Die Tischnachbarin sagt: Wenn sie die Wahl hätte, würde sie ein Sojaschnitzel einem Stammzellenfleischschnitzel vorziehen. Das schmecke ihr besser. Ich frage mich: So, wie Chicken-Nuggets normalerweise konsumiert werden, schnell, viele, mit den Händen – würde man an der Imbissbude den Unterschied wirklich rausschmecken? Ich schreibe auf den Notizzettel: fünf von zehn Punkten. Das reicht nicht, alle am Tisch sind sich einig. Innovation muss knallen. Laborfleisch muss besser sein als das Billighähnchen einer Fast-Food-Kette.

Was ist mit den anderen Punkten – Preis, Verfügbarkeit, Zulassung? Ab ins Labor.

Im Labor

Serene Chng streift sich den weißen Kittel über. Sie ist Biologin, arbeitet für Shiok Meats, ein Unternehmen aus Singapur, das Meerestiere aus Stammzellen auf dem Markt bringen will. Ihre Aufgabe ist es, sich auf die Suche zu machen nach den fittesten dieser Zellen, jenen, die sich am besten vermehren.

Chng führt uns durch Labor eins, wo Hummern, Garnelen und Krabben Stammzellen entnommen und dann untersucht werden. »Hier finden wir heraus, was die Zellen gern essen. Wie oft wir sie füttern müssen«, sagt Chng und meint die Nährlösungen, mit Kohlenhydraten, Aminosäuren, Mineralien, die das Blut ersetzen, das im tierischen Organismus Zellen wachsen lässt. »Was Sie hier sehen, ist nur der Anfang einer Revolution.«

Sie führt vorbei an Mikroskopen, UV-Lampen, Zentrifugen, Stoffwechselanalysegeräten. Die Technologie hinter dem Stammzellenfleisch ist dem Entwicklungsprozess bestimmter Medikamente und Impfstoffe entlehnt. Der Coronaimpfstoff von AstraZeneca etwa entsteht in einem ähnlichen Verfahren.

Biologin Serene Chng führt durch das Labor von Shiok Meats, einer Singapurer Firma, die Meerestiere aus Stammzellen züchten will

Biologin Serene Chng führt durch das Labor von Shiok Meats, einer Singapurer Firma, die Meerestiere aus Stammzellen züchten will

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Shiok Meats ist das erste Unternehmen, das Krustentiere aus dem Bioreaktor herstellen und auf den Markt bringen will

Shiok Meats ist das erste Unternehmen, das Krustentiere aus dem Bioreaktor herstellen und auf den Markt bringen will

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Stammzellproben im Labor von Shiok Meats

Stammzellproben im Labor von Shiok Meats

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Der wissenschaftliche Mitarbeiter Javen Heng öffnet den Kryotank, in dem Stammzellen bei minus 196 Grad Celsius gelagert werden

Der wissenschaftliche Mitarbeiter Javen Heng öffnet den Kryotank, in dem Stammzellen bei minus 196 Grad Celsius gelagert werden

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Chngs Kollege öffnet den Deckel des Kryotanks, der Stammzellenbank. Stickstoff dampft aus dem Behälter nach oben. Drinnen sind die potentesten Stammzellen auf minus 196 Grad tiefgefroren gelagert. Aus einer dieser Zellen kann beliebig viel Garnelenfleisch wachsen, sagt die Biologin Chng. Das passiert nebenan, in großen Bioreaktoren aus Edelstahl. Hier gedeihen die Zellen. Ich hatte mir vorgestellt, dass in diesen Maschinen ganze Hummer wachsen. Aber das stimmt nicht: Es werden ausschließlich Muskel- und Fettzellen vermehrt. Diese wachsen wie eine Art Suppe, die immer dicker wird, bis die Konsistenz Hackfleisch gleicht. Nach etwa sechs bis acht Wochen ist die Zellsuppe reif und wird in einem Verfahren, das mir Shiok Meats nicht verraten mag, angereichert mit Pflanzenfasern und zu einer Fleischpaste verarbeitet, aus der dann die Lebensmittel gemacht werden. Das fertige Produkt, etwa das Chicken-Nugget, besteht also nicht zu hundert Prozent aus Fleisch.

Kritik am Laborfleisch

So vielversprechend die Technologie »Fleisch aus dem Labor« klingt: Die Kritik daran ist ebenso groß. Dabei geht es zum einen um die Produktionsbedingungen: Auch Laborfleisch herzustellen, ist energieaufwendig, sobald davon große Mengen produziert werden. Wenn viele Teile der Weltbevölkerung mit kultiviertem Fleisch ernährt werden sollen, würden ausladende Bioreaktoren, hoch entwickelte Maschinen und Produktionsstätten benötigt.

Ich habe Fragen. Ist Laborfleisch Fleisch?

Die Gründerin von Shiok Meats, Sandhya Sriram, Stammzellforscherin, antwortet: »Ja. Das ist zu hundert Prozent Fleisch. Stellen Sie es sich so vor, wie wenn man Gemüse statt in der Natur in einem Gewächshaus züchtet. Das Ergebnis ist dasselbe, aber der Weg dahin ist nicht der natürliche, sondern ein technologischer.«

Können Vegetarier das essen?

Sriram: »Gerade Vegetarier, die fürs Tierwohl und wegen der Klimakrise auf Fleisch verzichten, sind sehr interessiert an Laborfleisch. An Fleisch ohne Grausamkeiten.«

Warum noch eine Fleischalternative – es gibt doch schon Burger aus Soja, Mungobohnen, Kichererbsen?

Sriram: »Die Hoffnung, dass sich ein Großteil der Menschen bald vegetarisch ernährt, ist naiv. Der Fleischkonsum steigt. Die Weltbevölkerung wächst. Unser Ansatz ist: Lasst den Leuten ihr Fleisch und ihren Fisch, aber macht es zukunftstauglich.«

Wenn Stammzellenfleisch die Lösung so vieler Probleme sein soll – warum finde ich es nicht längst im Supermarkt?

Zwei Begriffe fallen immer wieder, wenn man sich mit den Problemen von Laborfleisch beschäftigt. Skalierung und Preis. Auch bei Stammzellforscherin Sriram: »Wir nutzen sehr teure Technologien und Geräte der Pharmaindustrie – und stellen damit das Allerweltsprodukt Lebensmittel her.« Um entsprechende Massen an Laborproteinen zu produzieren, mit denen täglich Milliarden Menschen satt gemacht werden können, brauche es Zeit. Größere, günstigere Bioreaktoren. Der Fortschritt passiere, aber in kleinen Schritten.

Vor einigen Jahren, erzählt Sriram, lag der Preis für ein Kilogramm Garnelenfleisch von Shiok Meats bei 10.000 US-Dollar. Inzwischen konnte die Firma den Kilopreis auf 50 Dollar senken. Bis Fleisch aus dem Bioreaktor aber annähernd mit Fleisch aus der Massentierhaltung mithalten kann, werde es noch dauern. Sie glaubt, dass die Produkte in den nächsten zehn Jahren wettbewerbsfähig sein können. Und es muss eine entsprechende Zulassung geben. Etwa in der EU, wo der Prozess schwierig werden könnte, da die einzelnen Staaten darüber abstimmen und sich viele schützend vor ihre traditionelle Viehwirtschaft stellen dürften.

Singapur fördert alternative Food-Technologien im eigenen Land: Etwa die Firma Agritisan, die intelligente Dachgartensysteme baut, damit sich mehr Leute autark versorgen können

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Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Gründer Alexander Tan zeigt einen seiner Prototypen: An diesem vertikalen Gestänge wachsen Salatköpfe, sie werden aus dem Innern der Säule automatisiert gegossen, gespeist von einer Solarzelle auf dem Dach

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Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL
Auch die Singapurer Firma HeggEgg forscht an Lebensmittelalternativen wie Eiern ohne Ei. Das Pulver kann angerührt und in der Pfanne zu veganem Rührei verquirlt werden.

Auch die Singapurer Firma HeggEgg forscht an Lebensmittelalternativen wie Eiern ohne Ei. Das Pulver kann angerührt und in der Pfanne zu veganem Rührei verquirlt werden.

Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Asien könnte, was Zulassungen für Laborfleisch angeht, vorangehen. Viele Staaten seien aufgeschlossener als Europa, sagt Sandhya Sriram. Was auch daran liegen könnte, dass Hunger und Klimakatastrophen  dort bereits ein riesiges Problem sind. Der Weltklimarat  der Vereinten Nationen ruft jährlich eine neue »Alarmstufe Rot« aus. Mehr als eine Milliarde Menschen in Asien hatten im Jahr 2021 unzureichend Zugang zu Essen; Bauern fahren weniger Ernten ein, Fischer kommen mit weniger Fang zurück. Glaubt man Prognosen, wird die Bevölkerung in der Region, in der im Moment 4,7 Milliarden leben, in den kommenden drei Jahrzehnten um 600 Millionen Menschen wachsen.

Eine neue Technologie gegen den Hunger, die mehr Menschen mit weniger Ressourcen satt machen kann – ist da eine gute Nachricht.

Noch einmal zurück zum Dinner im Singapurer Hotel. Nach dem Chicken-Nugget kommt der Koch des Abends in den Raum, er hat noch etwas vorbereitet. Einen weiteren Gang. Wieder Hähnchen aus dem Labor, aber diesmal: »die nächste Generation«. Satay-Spieße in Erdnusssoße.

Einer der Gäste beim Dinner im Marriot Hotel probiert die Satay-Spieße – laut Hersteller die »nächste Generation« von Laborfleisch

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Foto: Amrita Chandradas / DER SPIEGEL

Wieder riecht es im Raum nach gegrilltem Huhn. Ich löse das Fleisch von dem Holzspieß, es bleibt an manchen Stellen etwas hängen. Diesmal ist die Textur des Fleisches fester.

Ließe sich die Welt mit einem Chicken-Nugget retten oder mit einem gegrillten Hühnerspieß? Werden Leute je ein Lebensmittel kaufen, das hergestellt wird wie ein Coronaimpfstoff? Ich weiß es nicht. Ich nehme den letzten der drei Satays vom Teller. Ziehe das Huhn, gewachsen als Zellsuppe in einem Edelstahlbehälter, mit den Zähnen vom Spieß. Es ist getränkt in Marinade und Erdnusssoße. Notiere: Habe schon schlechteres Hähnchen gegessen. Sieben von zehn Punkten.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version stand, die Stammzellen würden bei einer Temperatur von minus 80 Grad tiefgefroren gelagert, es sind aber minus 196 Grad. Wir haben die Stelle korrigiert.

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

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