US-Regierung torpediert G7-Erklärung Streit über "Wuhan-Virus"

Ärger unter den G7-Außenministern: Eine gemeinsame Erklärung zur Coronakrise ist an den Amerikanern gescheitert. Die beharren nach SPIEGEL-Informationen auf einem zweifelhaften Namen für das Virus.
Donald Trump mit Mike Pompeo und Mike Pence

Donald Trump mit Mike Pompeo und Mike Pence 

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JONATHAN ERNST/ REUTERS

Eigentlich sollten sich die Außenminister der G7-Staaten diese Woche in Pittsburgh treffen, doch wegen des Coronavirus musste der Gipfel abgesagt werden. Stattdessen schalten sich die G7-Außenminister am Mittwoch zu einer vierstündigen Videokonferenz zusammen.

Es wird eine Premiere über dreizehn Zeitzonen.

Damit kein Außenminister mitten in der Nacht aufstehen muss, startet die Videoschalte in der US-Hauptstadt Washington um 7 Uhr Ortszeit, in Tokio ist es dann bereits 20 Uhr abends.

Zeitlich entspannt sieht es für die europäischen G7-Mitglieder aus: Im Kalender von Heiko Maas ist der Zeitraum von 12 bis 16 Uhr freigehalten.

Doch nach Lage der Dinge gibt es nicht mehr viel zu besprechen.

Denn die Idee einer gemeinsamen Erklärung der sieben wichtigen Industriestaaten zur Coronakrise steht nach Informationen aus europäischen Diplomatenkreisen vor dem Aus. Grund ist ein Streit über die Frage, wie die Pandemie genannt werden soll.

Demnach besteht das State Department auf der Bezeichnung "Wuhan-Virus". US-Außenminister Mike Pompeo vertritt damit die Linie seines Präsidenten. Donald Trump spricht auf Pressekonferenzen und auf Twitter meist vom "chinesischen Virus".

Die anderen G7-Mitglieder lehnen eine Bezeichnung ab, die suggeriert, bei der Pandemie handele es sich um ein chinesisches Problem.

Sie schlagen die auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendete Bezeichnung "Covid-19" vor. In den Verhandlungen der Politischen Direktoren der G7-Außenministerien konnte keine Einigung erzielt werden.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die Idee, dass sich die G7-Außenminister zur Coronakrise äußern, kam ursprünglich von Frankreich. Deutschland unterstützte die Forderung, die USA lehnten anfangs ab.

Die Staats- und Regierungschefs hätten sich schon mit dem Thema beschäftigt, so die Haltung des US-Außenministeriums, eine Erklärung der Minister sei nicht mehr nötig. Ende vergangener Woche gab Pompeo jedoch nach, Entwürfe wurden hin- und hergeschickt, aber ohne Erfolg.

Die starre Haltung der US-Regierung passt zu dem Kurs, den Trump in der Coronakrise fährt: Schuld sind die Chinesen, Europa hat zu spät reagiert und dazu beigetragen, dass das Virus in die USA gelangte. Das ist seine Linie.

Gegenmaßnahmen wie das Einreiseverbot für EU-Bürger verkündete er über Nacht - und ohne die Europäer vorher zu informieren. Vermeintliche Freunde wie Großbritannien nahm er zunächst von den Einreiseverboten aus, um sich dann später zu korrigieren.

In Berlin und Paris ist der Frust groß. Washington verabschiede sich endgültig von einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit, heißt es in Regierungskreisen. Trumps Kampf gegen den Multilateralismus mache selbst vor Formaten wie G7 nicht halt.

Corona vernichte die letzten Reste der bestehenden Weltordnung.