Putsch im Sudan Ärzte und Beamte rufen zum Generalstreik auf

Im Sudan hat das Militär die Macht übernommen. Aus Protest gegen den Putsch rufen Mediziner und Staatsmitarbeiter nun zum zivilen Widerstand auf – Krankenhäuser sollen nur noch Notfälle behandeln.
General Abdel Fattah al-Burhan (Archivaufnahme)

General Abdel Fattah al-Burhan (Archivaufnahme)

Foto: ASHRAF SHAZLY / AFP

Ärzte und Beamte haben im Sudan nach dem Militärputsch zu einem Generalstreik aufgerufen. Man werde sich aus allen Krankenhäusern des Landes zurückziehen und nur noch Notfälle behandeln, kündigte der Ärzteverband Sudan Doctors Central Committee in der Nacht zum Dienstag auf seiner Facebook-Seite an. Aus den Militärkrankenhäusern sei ein kompletter Rückzug geplant, hieß es in der Mitteilung weiter. Mitarbeiter der Ministerien, Verwaltung und Zentralbank kündigten in der Nacht bereits einen Generalstreik an.

Nach der Machtübernahme des Militärs in dem ostafrikanischen Land mit rund 44 Millionen Einwohnern will sich der Uno-Sicherheitsrat am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage beschäftigen.

Der höchste Militärvertreter im Sudan, General Abdel Fattah al-Burhan, hatte am Montag die Entmachtung der zivilen Regierungsmitglieder verkündet und einen Ausnahmezustand verhängt. Das Internet, das Mobilfunknetz und Teile des Festnetzes sind seit Montagmorgen gestört, die meisten Menschen können keine Anrufe mehr tätigen.

Das Schicksal von Ministerpräsident Abdullah Hamduk, der seit August 2019 gemeinsam mit Burhan an der Spitze der Übergangsregierung stand, ist ungeklärt. (Lesen Sie hier eine Analyse ). Nach Einschätzung der Vereinten Nationen hat das Militär die Kontrolle über die Hauptstadt Khartum übernommen. Der Flughafen, Brücken und das Staatsfernsehen seien in der Hand der Streitkräfte, und die Eingänge in die Stadt versperrt.

»Hier brennen noch immer Barrikaden, und wir können gelegentlich Schüsse hören, daher besteht natürlich die Gefahr, dass es zu mehr Gewalt oder Spannungen kommt, wenn die Nacht hereinbricht«, sagte der Uno-Sonderbeauftragte für den Sudan, der Deutsche Volker Perthes, mit Blick auf anhaltende Demokratieproteste gegen die Armee. »Einige Demonstranten versuchten heute, in das Armeehauptquartier hier in Khartum einzudringen. Wir haben dann Schüsse und Verletzungen gesehen, können aber keine Details bestätigen.«

als/dpa