Proteste nach Putsch im Sudan Sicherheitskräfte setzen Tränengas gegen Tausende Demonstranten ein

Erst vor wenigen Tagen wurden in Khartum Proteste gegen die neuen Machthaber gewaltsam aufgelöst. Nun demonstrierten in der Hauptstadt des Sudans erneut Tausende – und wieder eskalierte die Lage.
Demonstranten protestieren seit Monaten gegen den Militärputsch im Sudan

Demonstranten protestieren seit Monaten gegen den Militärputsch im Sudan

Foto: - / AFP

Zwei Monate nach dem Militärputsch haben im Sudan Sicherheitskräfte am Donnerstag erneut Tränengas gegen mehrere Tausend Demonstranten eingesetzt. Die Brückenverbindungen in die Hauptstadt Khartum wurden gesperrt und die Telefonverbindungen gekappt. Auch Internetverbindungen wurden blockiert. Polizei und Militär patrouillierten überall in Khartum. Auch aus anderen Städten wurden Proteste gemeldet.

Die Demonstranten in Khartum gelangten laut den Berichten bis auf wenige Hundert Meter an den Präsidentenpalast heran, das Hauptquartier von Militärchef Abdel Fattah al-Burhan. Dann wurden die Protestler von Soldaten, Polizisten und paramilitärischen Milizen mit Tränengas zurückgedrängt.

Im Stadtteil Omdurman sei auch scharfe Munition zum Einsatz gekommen, teilte das sudanesische Ärzte-Komitee am Donnerstag mit. In den örtlichen Krankenhäusern würden demnach Verletzte behandelt, die zum Teil in einem kritischen Zustand seien.

Neue Überwachungskameras in Khartum

Ähnliche Proteste gab es nach Berichten von Augenzeugen auch in Madani, südlich der Hauptstadt, sowie in den Städten Kassala und Port Sudan. Mit ihren Demonstrationen trotzten die Demonstranten auch einer Ausgangssperre, die von den Behörden verhängt worden war.

Bei den andauernden Protesten gegen die Militärjunta in den vergangenen Wochen waren nach Angaben eines Ärztekomitees mindestens 48 Menschen getötet worden. Die Menschen verlangen eine Rückkehr zur zivilen Regierung des Landes.

Vor den neuerlichen Demonstrationen am Donnerstag waren neue Überwachungskameras an den Demonstrationsrouten in Khartum installiert worden. Die Internetgruppe NetBlocks berichtete, dass ab dem Morgen auch mobile Internetverbindungen abgeschaltet wurden, über die Aktivisten ihre Aktionen live übertragen und zu Demonstrationen aufrufen.

Sudans oberster General al-Burhan hatte am 25. Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir im April 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Nach Massendemonstrationen und internationalem Protest setzte al-Burhan Regierungschef Abdalla Hamdok vier Wochen später wieder ein. Wie viel Macht Hamdok seit seiner Wiedereinsetzung tatsächlich besitzt, ist jedoch unklar.

Zuletzt waren die Nil-Brücken in Khartum am 26. Dezember gesperrt worden, als es Demonstrationen mit Zehntausenden Teilnehmern gegeben hatte.

svs/AFP/dpa
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