Nach Putsch der Armee USA stoppen 700-Millionen-Dollar-Zahlung an den Sudan

Das Militär hat die Macht im Sudan übernommen – zahlreiche Politiker sind verschleppt. Als Reaktion frieren die USA Hilfsgelder vorerst ein. In New York tagt der Uno-Sicherheitsrat.
Brennende Barrikaden in Khartoum

Brennende Barrikaden in Khartoum

Foto: - / AFP

Angesichts der Machtübernahme durch das Militär im Sudan setzt die US-Regierung Hilfszahlungen für das ostafrikanische Land vorerst aus. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, sagte am Montag (Ortszeit) in Washington, Hilfen in Höhe von 700 Millionen US-Dollar würden zunächst gestoppt.

Die Gelder seien für die Unterstützung des demokratischen Übergangs im Sudan geplant gewesen. Price forderte, das Militär des Landes müsse alle festgesetzten politischen Akteure umgehend freilassen, die zivil geführte Übergangsregierung vollständig wieder herstellen und von jeglicher Gewalt absehen.

Das Militär im Sudan hatte zuvor bei einem Putsch die Macht an sich gerissen. Der höchste Militärvertreter im Land, General Abdel Fattah al-Burhan, verkündete am Montag die Entmachtung der zivilen Regierungsmitglieder. Im ganzen Land werde der Ausnahmezustand verhängt, sagte al-Burhan bei einer Fernsehansprache.

In einer Mitteilung auf der offiziellen Facebook-Seite des Informationsministeriums hieß es, Ministerpräsident Abdullah Hamduk sei von Militärs an einen unbekannten Ort verschleppt worden.

Nach Uno-Angaben seien auch Journalisten in Gewahrsam genommen worden. Eine Sprecherin des Weißen Hauses sagte am Montag, man sei »zutiefst beunruhigt« über die Berichte aus dem Sudan. »Wir lehnen das Vorgehen des Militärs ab und fordern die sofortige Freilassung des Premierministers und anderer, die unter Hausarrest gestellt wurden.« Das Vorgehen stehe im »krassen Gegensatz zum Willen des sudanesischen Volkes und seinem Streben nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit«.

Uno-Rat trifft sich nach der Eskalation

Das Internet, das Mobilfunknetz und Teile des Festnetzes waren seit den frühen Morgenstunden am Montag nicht mehr zugänglich. »Im Zusammenhang mit innenpolitischen Unruhen wurden in Khartum weiträumig Brücken- und Straßensperren errichtet, sowohl durch das Militär als auch im Rahmen von Demonstrationen«, erklärte das Auswärtige Amt in einer Mitteilung.

Am Dienstag will sich der Uno-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit der Lage in dem ostafrikanischen Land beschäftigen. Auf Anfrage der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Estlands, Irlands und Norwegens wird sich das mächtigste Uno-Gremium voraussichtlich am Nachmittag New Yorker Zeit hinter verschlossenen Türen treffen. Die Botschafterinnen und Botschafter kommen an diesem Tag von einer gemeinsamen Arbeitsreise aus der Sahelzone zurück in die Vereinigten Staaten.

jok/dpa
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