Krawalle in Südafrika Regierung will Polizei bei Demonstrationen mit Soldaten unterstützen

Seitdem der frühere Präsident Jacob Zuma im Gefängnis sitzt, kommt Südafrika nicht mehr zur Ruhe. Bei Ausschreitungen gab es mehrere Tote, Geschäfte wurden geplündert. Nun will die Regierung das Militär einsetzen.
Geplündertes Geschäft in der Innenstadt von Johannesburg

Geplündertes Geschäft in der Innenstadt von Johannesburg

Foto: KIM LUDBROOK / EPA

Die Regierung in Südafrika greift angesichts der anhaltenden gewaltsamen Proteste zu drastischen Maßnahmen. Ab sofort werden Soldaten in den zwei betroffenen Provinzen eingesetzt. Zudem soll laut Angaben eines Regierungssprechers ein politischer Krisenstab beraten, wie das blutige Chaos schnellstmöglich in den Griff zu bekommen sei.

In der nördlichen Provinz Gauteng, zu der auch die Wirtschaftsmetropole Johannesburg gehört, sowie im östlichen KwaZulu-Natal werde das Militär die Polizei unterstützen, gab ein Militärsprecher über Twitter bekannt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sind die Soldaten in Johannesburg bereits im Einsatz.

Seit Donnerstag kommt es in Südafrika zu gewaltsamen Ausschreitungen von Demonstranten. Sie protestierten zunächst gegen die Inhaftierung des früheren Präsidenten Jacob Zuma. Er war vergangene Woche wegen Missachtung der Justiz zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt worden, die er am späten Mittwoch antrat.

Der 79-Jährige muss sich vor einer Untersuchungskommission wegen diverser Korruptionsvorwürfe während seiner Amtszeit (2009-2018) verantworten, war aber einer Vorladung nicht gefolgt. Am Montag prüfte das Verfassungsgericht einen Antrag Zumas auf Annullierung der Haftstrafe – ein Verfahren, das bei einem höchstrichterlichen Beschluss eigentlich nicht vorgesehen ist. Eine Entscheidung lag am Nachmittag noch nicht vor.

Die Proteste um Zumas Freilassung waren zuletzt jedoch eskaliert. Regierungsvertreter sprachen auch von ethnisch motivierter und opportunistischer Gewalt.

Bereits sechs Tote und Dutzende Verletzte

In Gauteng und KwaZulu-Natal liefern sich Polizei und Demonstranten blutige Straßenschlachten. Sechs Menschen, darunter ein 11-jähriger Junge, kamen bislang ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Am Montagmorgen stand ein großes Einkaufszentrum im Osten des Landes in Flammen. In Gauteng wurden zahlreiche Einkaufzentren, Geschäfte und Geldautomaten geplündert.

Demonstranten in Johannesburg legten Bus- und Bahnverbindungen lahm und verbarrikadierten Straßen in der Innenstadt, wie der Fernsehsender eNCA berichtete. Zehntausende Berufspendler säßen fest, hieß es. Die Gewalt habe Angaben der Regierung zufolge bereits zu geschätzten Schäden von 100 Millionen Rand (sechs Millionen Euro) geführt.

Auch der derzeitige Präsident Cyril Ramaphosa warnte in einer TV-Ansprache am Sonntagabend, die Demonstrationen hätten sich in »ethnisch motivierte Gewalt« verwandelt. Zuma gehört der Volksgruppe der Zulu an, während Ramaphosa zur Gruppe der Venda gehört und große Teile seiner Unterstützer innerhalb der Regierungspartei zur Gruppe der Xhosa. Mehr als 200 randalierende Demonstranten seien bereits verhaftet worden.

Pandemie droht Wirtschaftskrise zu verschärfen

Doch auch die Coronapandemie, die eine schwerwiegende Wirtschaftskrise in dem Staat am Kap ausgelöst hat, könnte zu den disproportional scheinenden Ausschreitungen beitragen. Das Land ist in Afrika zahlenmäßig mit fast 2,2 Millionen Fällen am schwersten betroffen. Millionen Menschen kämpfen ums Überleben; Armut und Nahrungsmittelunsicherheit haben sich in wenigen Monaten dramatisch verschärft. Bereits vor der Pandemie steckte Afrikas zweitgrößte Volkswirtschaft in einer schwierigen Lage.

fek/dpa