Aufnahmen von Überwachungskameras Unbekannte Person dringt über schwer befestigte Grenze in Nordkorea ein

Nur selten versuchen Menschen aus Südkorea, in den verfeindeten Norden zu gelangen. Eine unbekannte Person hat das nun geschafft – durch die vier Kilometer breite, stark bewachte Grenzregion.
Die Grenze ist mit Stacheldrahtzäunen, Minen und Überwachungsanlagen abgesichert

Die Grenze ist mit Stacheldrahtzäunen, Minen und Überwachungsanlagen abgesichert

Foto: JUNG YEON-JE / AFP

Dieser Fall gibt Rätsel auf: Eine zunächst nicht identifizierte Person ist nach Angaben des südkoreanischen Militärs über die schwer befestigte Grenze illegal in Nordkorea eingedrungen. Die Person sei Samstagnacht dabei beobachtet worden, wie sie durch die vier Kilometer breite demilitarisierte Zone (DMZ) nach Nordkorea gelaufen sei, teilte der Generalstab am Sonntag mit. Nordkorea sei über eine militärische Kommunikationsleitung über den Zwischenfall im östlichen Teil der DMZ unterrichtet worden.

Bei einer Auswertung von Überwachungsbildern sei später festgestellt worden, dass die Person den mehrfach verstärkten Stacheldrahtzaun in der DMZ zwischen beiden Ländern durchbrochen habe, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Vertreter des Generalstabs. Die Auswertung deute an, dass den Grenzposten die »Grenzverletzung« erst einige Stunden später aufgefallen sei.

Fluchtversuche meist umgekehrt

Während Fluchtversuche vom international isolierten Norden nach Südkorea nicht ungewöhnlich sind, kommt es sehr selten vor, dass Menschen den umgekehrten Weg gehen. Vor der Coronapandemie waren aus Nordkorea jedes Jahr zahlreiche Menschen wegen Hungers oder Unterdrückung geflüchtet. Üblicherweise erfolgt die Flucht auch nicht über die mit Minen und Überwachungsanlagen befestigte Grenze nach Südkorea, sondern über die weniger überwachte Grenze nach China.

Zuletzt war 2020 ein Nordkoreaner, der drei Jahre zuvor in den Süden übergelaufen war, über die direkte Grenze nach Norden zurückgekehrt. Sein Grenzübertritt veranlasste nordkoreanische Beamte, die Grenzstadt Kaesong abzuriegeln, da sie befürchteten, dass er mit dem Coronavirus infiziert sein könnte.

Im selben Jahr erschossen nordkoreanische Soldaten einen südkoreanischen Fischereibeamten, der laut Pjöngjang illegal in nordkoreanisches Seegebiet eingedrungen war. Seine Leiche sollen sie verbrannt haben. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un entschuldigte sich später für die tödlichen Schüsse auf den Mann.

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il habe sich 2020 für die tödlichen Schüsse auf den Fischereibeamten entschuldigt. Tatsächlich ist Kim Jong Il seit 2011 tot. Die Entschuldigung kam von Kim Jong Un, dem aktuellen Machthaber.

kah/AFP/dpa
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