Menschenhandel in Südostasien Hunderte müssen in Betrugs-Callcentern arbeiten

Zwangsarbeit im Callcenter statt Tech-Jobs und bezahlter Wohnung: Hunderte junge Menschen aus Südasien sind offenbar auf Onlineanzeigen von Menschenhändlern reingefallen. In mehreren Ländern wird nun ermittelt.
Ermittler der taiwanischen Kriminalpolizei kontrollieren zwei mutmaßliche Betrüger am vergangenen 18. August am internationalen Flughafen Taoyuan

Ermittler der taiwanischen Kriminalpolizei kontrollieren zwei mutmaßliche Betrüger am vergangenen 18. August am internationalen Flughafen Taoyuan

Foto: Taiwan Criminal Investigation Bureau / AP

Die jungen Menschen werden mit interessanten Jobangeboten im Netz angelockt. Sie reisen dann in die Zielländer, doch statt gut bezahlter Tech-Jobs müssen sie in Callcentern arbeiten – und andere Menschen am Telefon betrügen.

Dieses Betrugsschema beschäftigt derzeit Ermittler in mehreren süd- und südostasiatischen Ländern. Hunderte, wenn nicht Tausende junge Menschen aus Taiwan, China, Macau und Vietnam sollen nach Kambodscha, Thailand, Myanmar oder Laos auf der Suche nach dem Traumjob gereist und in die Falle der Menschenhändler getappt sein. Dies berichten unter anderem der britische »Guardian«  und die US-Zeitung »Washington Post« .

Hinter dem Schema stehen den Berichten zufolge wohl kriminelle Triaden. Die Menschenhändler wenden sich über soziale Medien an junge Menschen und bieten ihnen gut bezahlte Jobs und eine Unterkunft in südostasiatischen Ländern an. Bei ihrer Ankunft werden ihnen jedoch die Pässe abgenommen. Oft werden sie dann an verschiedene Gruppen weiterverkauft und gezwungen, in Büros zu arbeiten, die Telefon- oder Onlinebetrügereien abwickeln, berichtet der »Guardian«. Ziel der telefonischen Tricksereien sind angeblich vor allem Menschen vom chinesischen Festland.

Die meisten Opfer des Menschenhandel-Rings sollen aus Vietnam und Taiwan stammen, heißt es weiter in der britischen Zeitung. Demnach haben die taiwanischen Behörden fast 5000 Bürger und Bürgerinnen des Inselstaats registriert, die nach Kambodscha reisten und nicht zurückkehrten. Die taiwanische Polizei gab laut »Guardian« an, sie habe mehrere Hundert Menschen identifiziert, die gegen ihren Willen festgehalten wurden. Die Zahl ist wahrscheinlich viel höher.

Drohungen, Angriffe und Vergewaltigungen

Einige rückkehrende Taiwaner berichteten dem Bericht zufolge, dass sie selbst oder andere Personen gezwungen wurden, Verträge zu unterzeichnen, dass sie angegriffen, vergewaltigt und häufig bedroht wurden. Essen und Wasser seien ihnen teilweise verweigert worden.

Vergangene Woche wurde im Netz ein Video gepostet, das angeblich Dutzende von Vietnamesen zeigt, die aus einem Casino an der Grenze zu Kambodscha fliehen. Weiter ist zu sehen, wie sie in einen Fluss springen, um über die Grenze nach Vietnam zu schwimmen. Ein 16-Jähriger soll bei der Flucht ertrunken sein, berichtet der »Guardian«.

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Korruption der Behörden behindert Ermittlungen

Dass der Betrug so gut und teilweise unauffällig funktioniert, liegt den Berichten zufolge unter anderem an der Korruption der Behörden, vor allem in Kambodscha. Der dortige Innenminister Sar Kheng erklärte laut »Washington Post«, dass sein Ministerium eine landesweite Überprüfung aller in Kambodscha lebenden Ausländer einleiten wird. In den Provinzen Kandal und Preah Sihanoukville werde der Status von Menschen aus dem Ausland insbesondere in gemieteten Immobilien und Casinos geprüft.

Der stellvertretende Chef der kambodschanischen Nationalen Polizei, Chhay Sinarith, sagte, dass die Behörden in den vergangenen Jahren zahlreiche illegale Onlinebetrügereien aufgedeckt haben. Damit wurden Menschen nach Kambodscha gelockt. Hunderte Betrüger aus China und Taiwan seien bereits verhaftet worden.

col
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