Ralf Neukirch

Super Tuesday in den USA Die Chance der Demokraten

Ralf Neukirch
Ein Kommentar von Ralf Neukirch, Washington
Joe Biden ist ein erstaunliches Comeback gelungen, das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur wieder offen. Doch nur wenn sich die Demokraten geschlossen hinter einen Bewerber stellen, ist Trump zu schlagen.
Ex-Vizepräsident Biden auf einer Wahlveranstaltung: Chance in den Swing States

Ex-Vizepräsident Biden auf einer Wahlveranstaltung: Chance in den Swing States

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Marcio Jose Sanchez/ AP

Bernie Sanders hat seine Kritiker widerlegt: Er kann die Wähler der Demokraten mobilisieren. Die Wahlbeteiligung am sogenannten Super Tuesday war in einigen der 14 Staaten fast doppelt so hoch wie vor vier Jahren. Allerdings war das Ergebnis anders, als der linke Senator aus Vermont sich das vorgestellt hatte. Es waren vor allem seine Gegner, die in Massen ihre Stimme abgaben.

Noch vor einer Woche sah es so aus, als werde Sanders die Präsidentschaftsnominierung nicht mehr zu nehmen sein. Sein Vorsprung nach den ersten Vorwahlen war groß, das Feld seiner Gegner zersplittert. Das alles hat sich geändert.

Das Comeback des früheren Vizepräsidenten Joe Biden war möglich, weil seine Mitbewerber auf dem moderaten Flügel in den vergangenen Tagen die richtige Schlussfolgerung aus den ersten Vorwahlen gezogen hatten. Pete Buttigieg und Amy Klobuchar setzten ihren aussichtslosen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur nicht fort, sondern erklärten ihre Unterstützung für Biden. US-Milliardär Michael Bloomberg tat es ihnen nun nach. Sie alle handelten im Interesse ihrer Partei und des Landes.

Damit hat zumindest einer der beiden großen Verlierer dieses Dienstags seine Konsequenzen gezogen. Der frühere New Yorker Bürgermeister Bloomberg hat mehr als eine halbe Milliarde Euro seines Privatvermögens in den Wahlkampf investiert und konnte dennoch keinen einzigen Staat gewinnen.

Fehlt nur noch die linke Senatorin Elisabeth Warren. Sie landete selbst in ihrem Heimatstaat Massachusetts nur auf dem dritten Platz und hat keine realistische Chance auf die Kandidatur mehr. Auch sie sollte dem Vorbild Bloombergs, Buttigiegs und Klobuchars folgen und sich aus dem Rennen zurückziehen.

Die Lage: USA 2020

Dass sich ein 78-Jähriger (Sanders) und ein 77-Jähriger (Biden) um die Nachfolge eines 73 Jahre alten Präsidenten bewerben, mag nicht gerade fortschrittlich erscheinen. Aber das ist der Wille der demokratischen Wähler.

Die gute Nachricht dabei ist, dass es nun eine klare Alternative gibt.

Sanders hat deutlich gemacht, dass er nicht nur gegen die "Milliardärsklasse" und die Konzerne kämpft, sondern auch gegen das Establishment der demokratischen Partei, der er nicht angehört. Er setzt dem rechten Populismus von Trump einen Populismus von links entgegen. Er will nicht einen, sondern polarisieren. Auch deswegen wünscht sich Trump ihn als Konkurrenten. Biden will die politische Spaltung des Landes überbrücken.

Sanders und Biden geben gegensätzliche Antworten auf die Frage, wie Donald Trump zu schlagen ist. Sanders Ziel ist es, viele Nichtwähler zu mobilisieren. So will er mögliche Verluste in der Mitte des politischen Spektrums überkompensieren. Bislang ist er den Beweis schuldig geblieben, dass das funktionieren kann. In den Staaten, die er gewonnen hat, ist die Wahlbeteiligung unter seinen Anhängern nicht in dem erwünschten Maße gestiegen.

Biden spricht auch Republikaner an

Bidens erstaunliches Comeback zeigt, dass ihm viele Demokraten eher zutrauen, den Präsidenten zu schlagen. Anders als Sanders spricht er auch Republikaner an, die sich wegen Trump von ihrer Partei abgewendet haben. Sie könnten in den sogenannten Swing States wie Florida oder Pennsylvania wichtig werden, die die Demokraten im November gewinnen müssen, um siegreich zu sein. Dass dieser Kurs Erfolg verspricht, hat der Wahlausgang vom Dienstag gezeigt. Auch die Wähler der Mitte lassen sich mobilisieren.

Der Ausgang der Wahlen am Super Tuesday ist noch keine Vorentscheidung. Über die Hälfte der Delegierten für den Nominierungsparteitag sind noch nicht vergeben. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie schnell sich die politische Stimmung ändern kann. Biden geht mit Schwung in die nächsten Vorwahlen, aber Sanders ist nicht geschlagen.

Die Demokraten müssen sich auf den wahren Gegner konzentrieren

Umso wichtiger ist es, dass beide Seiten das wichtigste Ziel nicht aus den Augen verlieren: Donald Trumps Präsidentschaft soll nach vier Jahren enden. Die öffentlichen Debatten der Demokraten haben den Eindruck vermittelt, der größte Widersacher sitze im eigenen Lager. Das darf sich nicht wiederholen. Nur wenn das unterlegene Lager den Sieger vorbehaltlos unterstützt, gibt es eine Hoffnung für die Demokraten, wieder einen der ihren ins Weiße Haus zu entsenden.

Vor allem Sanders und seine Anhänger sind gefordert. Nicht jede Wahlniederlage ist das Werk versteckter Mächte, böser Milliardäre, des "Systems". Manchmal wollen die Wähler einfach etwas anderes.

Die Chancen dafür, dass es bei den Vorwahlen einen eindeutigen Gewinner gibt, sind seit gestern deutlich gestiegen. Das sollte es für den Verlierer einfacher machen, dass Ergebnis am Ende zu akzeptieren. Der Super Tuesday war ein guter Tag für die Demokraten - und ein schlechter für Donald Trump.

Anmerkung der Redaktion: Der Kommentar wurde nach Bloombergs Rückzug aktualisiert.

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