Engagement gegen Lukaschenko-Regime Belarussische Oppositionsführerin Tichanowskaja erhält Karlspreis 2022

Die belarussische Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja wird mit dem Aachener Karlspreis 2022 ausgezeichnet. Auch zwei weitere Aktivistinnen wurden für ihren Einsatz für Freiheit und Demokratie in Belarus geehrt.
Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kalesnikava (v.l.) bei einem gemeinsamen Auftritt im Juli 2020: »Einsatz für Freiheit, für Demokratie«

Veronika Zepkalo, Swetlana Tichanowskaja und Maria Kalesnikava (v.l.) bei einem gemeinsamen Auftritt im Juli 2020: »Einsatz für Freiheit, für Demokratie«

Foto: Sergei Grits / dpa

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja und zwei ihrer Mitstreiterinnen erhalten den Aachener internationalen Karlspreis 2022. Tichanowskaja sowie Maria Kalesnikava und Veronika Zepkalo würden für ihren »mutigen Einsatz für Freiheit, für Demokratie, für die Aufrechterhaltung der Menschenrechte und damit die europäischen Werte« geehrt, teilte das Karlspreisdirektorium mit.

Tichanowskaja, Kalesnikava und Zepkalo seien ein »einmaliges Vorbild« gegen Diktatur, Unterdrückung und einen Unrechtsstaat, sagte der Vorsitzende des Direktoriums, Jürgen Linden. Die drei hätten den Preis »mit großer Freunde« angenommen, so Linden weiter.

Die Ehrung soll am 26. Mai 2022 im Krönungssaal des Aachener Rathauses übergeben werden. Der Karlspreis wird seit 1950 für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Zuletzt war im Oktober der rumänische Präsident Klaus Iohannis – nach einjähriger Verzögerung durch die Coronapandemie – für seine proeuropäische Haltung ausgezeichnet worden.

Mit der Ehrung der belarussischen Oppositionellen verbinde das Direktorium einen »politischen Aufruf von uns an alle politischen Entscheidungsträger«, sich für die innerbelarussischen Verhältnisse einzusetzen – und auch dafür, dass ungerechtfertigt Inhaftierte, darunter Kalesnikava, endlich freigelassen werden, sagte Lindner. Aachens Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen (parteilos) betonte, der Karlspreis werde damit »ein Stück weit zu einem politischen Preis« gemacht.

Tichanowskajas Mann zu 18 Jahren Straflager verurteilt

Tichanowskaja ist das Gesicht der Opposition gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko. Als ihr Ehemann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, bei der Präsidentschaftswahl nicht antreten durfte, kandidierte sie im vergangenen Jahr selbst. Lukaschenko ließ sich schließlich als Sieger der Wahl ausrufen, was der Westen wegen Berichten über massive Fälschungen aber nicht anerkennt.

Maria Kalesnikava sitzt seit Anfang September in Belarus in Haft, nachdem sie in einem international kritisierten Prozess zu elf Jahren Straflager verurteilt wurde. Die Bundesregierung hatte Kalesnikavas Freilassung gefordert. Zepkalo lebt seit den Massenprotesten 2020 im Exil.

Die beiden in Freiheit lebenden Frauen wollten den Preis selbst entgegennehmen. Für Kalesnikava wolle ihre Schwester kommen, sagte Linden.

Die 39-jährige Tichanowskaja lebt inzwischen im Exil. Ein belarussisches Gericht hatte ihren Mann am Dienstag zu 18 Jahren Straflager unter besonders harten Haftbedingungen verurteilt. Der 43-Jährige wurde der »Vorbereitung und Organisation von Massenaufständen« für schuldig befunden.

fek/dpa/AFP
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