Synagoge in Texas Biden bezeichnet Geiselnahme als Terrorakt

Bei dem getöteten Geiselnehmer in einer texanischen Synagoge handelt es sich laut FBI um einen 44-jährigen Briten. US-Präsident Biden spricht von einem terroristischen Akt.
Die Geiselnahme hatte zehn Stunden gedauert, der Täter kam dabei ums Leben

Die Geiselnahme hatte zehn Stunden gedauert, der Täter kam dabei ums Leben

Foto: Smiley N. Pool / AP

Die US-Bundespolizei FBI hat den in einer texanischen Synagoge getöteten Geiselnehmer als britischen Staatsbürger identifiziert. Bei dem Mann handelt es sich demnach um einen 44-Jährigen namens Malik Faisal A., der am Samstag Ortszeit vier Geiseln in der Synagoge in der Kleinstadt Colleyville in seine Gewalt gebracht hatte. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass weitere Personen beteiligt gewesen seien, heißt es in einem Statement des FBI.

US-Präsident Joe Biden hat den Vorfall unterdessen als »einen Terrorakt« bezeichnet. Bei einem Besuch in Philadelphia sprach Biden auch davon, dass der Angreifer bei der Tat angeblich Waffen genutzt haben soll, die er auf der Straße gekauft habe – Biden betonte aber, dass er selbst nicht alle Fakten kenne.

Auch Großbritannien sprach von einem »Terrorakt«. Die britische Außenministerin Liz Truss verurteilte am Sonntag die »terroristische und antisemitische« Tat. Die britische Regierung sagte den USA ihre Unterstützung bei den Ermittlungen zu. »Wir stehen an der Seite der USA und verteidigen die Rechte und Freiheiten unserer Bürger gegen diejenigen, die Hass verbreiten«, twitterte Außenministerin Truss.

»Der Antisemitismus ist immer noch lebendig«

Israels Regierungschef Naftali Bennett teilte auf Twitter mit: »Dieses Ereignis erinnert uns eindringlich daran, dass der Antisemitismus immer noch lebendig ist und wir ihn weltweit bekämpfen müssen.« Die Geiselnahme in Texas löste bei jüdischen Organisationen in den USA sowie bei der israelischen Regierung große Besorgnis aus. Israels Botschafter in den USA, Michael Herzog, sagte, er sei »dankbar«, dass alle Geiseln in Sicherheit seien. Auch der Rat der Amerikanisch-Islamischen Beziehungen verurteilte die Tat und bot der jüdischen Gemeinde in Colleyville »jede mögliche Hilfe« an.

Der Nachrichtensender Sky News berichtet, der Bruder A.s habe in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass Mitglieder der Familie während der stundenlangen Geiselnahme mit dem Täter gesprochen hätten. Sie seien zuversichtlich gewesen, dass er den Geiseln nichts antun würde, obwohl er unter psychischen Problemen gelitten habe, so A.s Bruder. Die Familie verurteile die Tat und wolle sich bei allen Opfern von ganzem Herzen entschuldigen. Sie sei über den Tod A.s am Boden zerstört.

Die Geiselnahme hatte insgesamt zehn Stunden gedauert. Der Geiselnehmer hatte am Samstag den Rabbi der Gemeinde sowie drei weitere Personen in seine Gewalt gebracht. Eine Geisel ließ der Täter nach sechs Stunden unverletzt frei. Drei weitere wurden später von Spezialkräften des FBI befreit, der Geiselnehmer wurde dabei getötet. Zuerst hatte es auch Meldungen darüber gegeben, dass der Mann Bomben in der Synagoge platziert hätte. Das sei jedoch offenbar nicht der Fall gewesen, sagte Präsident Biden in Philadelphia.

Der Geiselnehmer behauptete einem ABC-Bericht zufolge, er sei der Bruder der pakistanischen Wissenschaftlerin Aafia Siddiqui, die 2010 in den USA wegen Terrorvorwürfen zu 86 Jahren Haft verurteilt worden war, und verlange ihre Freilassung. Der Fall hatte in Pakistan für große Empörung gesorgt. Siddiqui befindet sich in einem Bundesgefängnis in der Nähe des Tatorts. Die Anwältin von Siddiqui, Marwa Elbially, sagte CNN, dass der Mann nicht Siddiquis Bruder sei und dass Siddiquis Familie seine »abscheulichen« Taten verurteile.

In einer Liveübertragung des Morgengebets der Gemeinde, die auf Facebook gestreamt wurde, war die Stimme eines Mannes zu hören, der danach verlangte, mit seiner Schwester zu telefonieren. Außerdem war zu hören, wie er sagte: »Ich werde sterben« und »Mit Amerika stimmt etwas nicht«.

fdi/jso/Reuters/AFP