Zehn Jahre Bürgerkrieg Guterres nennt Lage in Syrien »lebendigen Albtraum«

Hilfsgüter kommen nur sehr eingeschränkt nach Syrien. Uno-Generalsekretär António Guterres hat nun einen verbesserten humanitären Zugang gefordert. Es ist vor allem ein Land, das im Uno-Sicherheitsrat blockiert.
Ein verletzter Junge nach einem mutmaßlichen Luftangriff syrischer Streitkräfte auf eine Schule in Idlib (Archivbild vom Februar 2020)

Ein verletzter Junge nach einem mutmaßlichen Luftangriff syrischer Streitkräfte auf eine Schule in Idlib (Archivbild vom Februar 2020)

Foto: Anas Alkharboutli/ dpa

Zehn Jahre. So lange dauert der Krieg in Syrien bereits. Auch wenn Machthaber Baschar al-Assad große Teile des Landes längst wieder unter Kontrolle hat, Dschihadistengruppen weitestgehend aufgerieben sind – ein Großteil der Menschen in Syrien ist immer noch im Land auf der Flucht und von Gewalt bedroht. Angesichts der andauernden Katastrophe hat Uno-Generalsekretär António Guterres nun einen verbesserten Zugang für humanitäre Helfer in Syrien angemahnt.

»Die Situation bleibt ein lebendiger Albtraum. Rund 60 Prozent der Syrer sind in diesem Jahr von Hunger bedroht«, sagte Guterres. Er rief den Uno-Sicherheitsrat auf, in der Frage des humanitären Zugangs zu einer Einigung zu gelangen. »Es ist unerlässlich, dass wir weiterhin alle Syrer erreichen, die humanitäre Unterstützung benötigen.« Ein verbesserter Zugang in das Bürgerkriegsland sei notwendig. Er habe »wiederholt« an den Sicherheitsrat appelliert, bei dem Thema »Konsens herzustellen«.

Westliche Staaten werfen der Regierung in Damaskus vor, durch bürokratische Maßnahmen humanitäre Hilfen zu unterbinden. Damit wolle Syriens Machthaber Baschar al-Assad verhindern, dass die Hilfen auch bewaffnete Rebellengruppen erreichen.

Russland blockiert Einigung im Sicherheitsrat

Im Juli vergangenen Jahres hatte ein russisches Veto im Sicherheitsrat zu einer drastischen Reduzierung der humanitären Grenzübergänge nach Syrien geführt. Seither gibt es nur noch einen solchen Korridor, der die Lieferung von Hilfsgütern ohne eine Genehmigung durch die Regierung in Damaskus ermöglicht. Im Juli dieses Jahres läuft die Regelung aus. Moskau hat bereits angedeutet, einer Verlängerung nicht zuzustimmen.

Vor allem Kinder und Jugendliche im Land brauchen die Hilfen. Nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks vom Mittwoch wurden in den vergangenen zehn Jahren rund 12.000 Kinder getötet oder verletzt. Allein im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge 511 Mädchen und Jungen getötet, 699 weitere Kinder wurden verletzt. Trotz eines Rückgangs der Gewalt hätten die Vereinten Nationen im Jahr 2020 weiterhin 61 Angriffe auf Schulen und 29 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen dokumentiert.

Eine verlorene Generation

Der Syrienkonflikt habe zudem »zu einer der schlimmsten Bildungskatastrophen in der jüngeren Geschichte geführt«, erklärte Unicef. Fast 2,5 Millionen Kinder in Syrien und 750.000 geflüchtete Mädchen und Jungen in den Nachbarländern könnten derzeit keine Schule besuchen. Innerhalb Syriens seien sechs Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen.

mrc/AFP
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