Spekulationen über Covid-Infektion des syrischen Herrscherpaares Die Assads haben Corona. Oder doch nicht?

Der Palast in Damaskus verkündet: Baschar und Asma al-Assad sind an Corona erkrankt. Doch der Diktator und seine Frau sollen längst geimpft sein. Ein Ablenkungsmanöver, vermuten Oppositionelle.
Offiziell an Corona erkrankt: Baschar und Asma al-Assad

Offiziell an Corona erkrankt: Baschar und Asma al-Assad

Foto: - / AFP

»Gott stehe dem Virus bei, es wurde mit Baschar al-Assad infiziert«: So und ähnlich klangen die Witze, die syrische Exilanten und Oppositionelle auf ihren Twitteraccounts in Reaktion auf die Nachricht einer Corona-Infektion des syrischen Präsidenten verbreiteten. Das Büro des Präsidenten hatte am Montag vermeldet, Baschar al-Assad und seine Frau Asma hätten sich mit dem Virus infiziert und sich mit milden Symptomen in Quarantäne begeben.

Bald wurden ernste Zweifel an der Wahrheit der Verlautbarung aus dem syrischen Palast laut. Hadi al-Bahra, der die syrische Opposition im Verfassungsausschuss vertritt und im Exil lebt, tat die Meldung als reine Propaganda ab. Sie ziele darauf ab, die Sympathien der Bevölkerung zu gewinnen und von der katastrophalen Wirtschaftslage abzulenken.

Aber auch in Damaskus waren viele irritiert, dass der Palast aus eigenen Stücken über eine Erkrankung des Herrscherpaars berichte. Höchst ungewöhnlich sei das, meinten Kontakte vor Ort. Wenn ausländische Medien derartige Meldungen verbreiteten, etwa über eine angebliche Herzerkrankung des Diktators, seien diese nur dementiert oder totgeschwiegen worden.

»Beide wurden vor Tagen noch negativ getestet und sind dann geimpft worden«

Dann meldete sich Firas Tlass zu Wort, exilierter Sohn des einstigen Verteidigungsministers und immer noch gut unterrichtet über das Geschehen im engsten Machtzirkel von Damaskus: Die Assads seien nicht infiziert, das Ganze sei ein PR-Coup. »Beide wurden vor Tagen noch negativ getestet und sind dann geimpft worden«, so Tlass im Gespräch mit dem SPIEGEL: »Die wirtschaftliche Not selbst in der Mittelschicht ist so groß, dass Assad dem etwas entgegensetzen muss.« Sogar das Brot werde knapp und das Virus wüte im Land. Das Eingeständnis, selbst infiziert zu sein, lenke ab und zeige allen: Seht her, auch mich hat es getroffen.

Seit Mitte Februar sind die Corona-Infektionen in Syrien laut Ärzten vor Ort drastisch gestiegen:

  • Mehrere Schulen in Damaskus wurden Ende des letzten Monats wegen explodierender Fallzahlen unter den Schülerinnen und Schülern geschlossen.

  • Bis Ende Februar vermeldete das syrische Gesundheitsministerium über 15.000 positiv getestete Fälle in den Gebieten unter Regierungskontrolle, doch humanitäre Organisationen gehen davon aus, dass die Regierung die Krise herunterspielt und dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

Das syrische Gesundheitssystem ist darauf nicht vorbereitet. Es ist nach zehn Jahren Krieg weitgehend kollabiert. Viele Medikamente sind wegen indirekter Wirkungen der Sanktionen und Währungszerfall kaum erhältlich – außer natürlich, man gehört zum Machtzirkel des Präsidenten.

Der Kollaps der Wirtschaft ist unterdessen so weit fortgeschritten, dass das Regime letztes Jahr sogar begann, Geschäftsleute aus der eigenen Entourage auszupressen. Das führte dazu, dass Assads langjähriger Komplize und Cousin, der schwerreiche Tycoon Rami Makhlouf, öffentlich mit ihm brach. Auch an der Basis von Assads Anhängern regt sich in letzter Zeit Unmut. Der Sold, den seine Soldaten erhalten, ist inzwischen fast nichts mehr wert. Laut Schätzungen leben 80 Prozent der syrischen Bevölkerung in Armut.

Krebserkrankung als Durchhalteparole

Als Asma al-Asad vor zweieinhalb Jahren an Brustkrebs erkrankte und ihren Kampf mit der Krankheit mit der Öffentlichkeit teilte, verband sie dies mit Durchhalteparolen für den Krieg. An ihrer Erkrankung bestanden wenig Zweifel, doch auch damals wurde das Thema vom Regime ausgeschlachtet – und sorgte bei Regimegegnern für Schadenfreude.

An den Berichten über die Covid-Infektion der Assads sind zumindest Zweifel angebracht. So ist in einem Regime wie dem syrischen davon auszugehen, dass mit der Lieferung erster Impfstoffdosen der Präsident und seine Frau zu den Ersten gehören, die Injektionen erhalten. Vom russischen Sputnik-Impfstoff hat ausgerechnet die israelische Regierung kürzlich im Rahmen eines Geiselaustauschs mehrere Zehntausend Dosen für 1,2 Millionen Dollar erworben, um sie nach Syrien liefern zu lassen.

Zwar ist der Sputnik-Impfstoff dort noch nicht eingetroffen, wie zwei Geschäftsleute aus Damaskus gegenüber dem SPIEGEL sagten. Aber es habe zuvor schon eine kleine Lieferung chinesischer Impfstoffe gegeben.

Das bestätigt auch ein Arzt eines staatlichen Krankenhauses in Damaskus. Der Arzt sagte gegenüber dem SPIEGEL, schon vor zwei Monaten habe das Gesundheitsministerium verlangt, das Personal im Gesundheitswesen für Impfungen zu registrieren, nachdem ungefähr 20.000 Dosen des Impfstoffes gegen Covid-19 aus China eingetroffen seien. Allerdings hätten die Impfungen nie begonnen. Die Vermutung ist deshalb, dass die Impfstoffe stattdessen auf dem Schwarzmarkt und in der Entourage der Mächtigen landeten – und somit auch beim Ehepaar Assad.

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