Protest mit Toten und Verletzten Demonstranten stürmen offenbar Gouverneurssitz in Südsyrien

Sie forderten den Sturz von Diktator Assad und setzen den Gouverneurssitz in Brand: In der mehrheitlich von Drusen bewohnten Stadt Suweida begehren die Menschen auf. Ein Grund für die Wut ist die katastrophale Versorgungslage.
Ein brennendes Polizeiauto in Suweida

Ein brennendes Polizeiauto in Suweida

Foto: SUWAYDA 24 / Suwayda 24 via REUTERS

Aus Protest über die tiefe wirtschaftliche Krise in Syrien haben Demonstranten am Sonntag offenbar den Sitz des Gouverneurs in der Stadt Suweida im Süden des Landes gestürmt. Sie setzten Teile des Gebäudes während heftiger Schusswechsel in Brand, so berichten es Behörden und Augenzeugen.

Zuvor hatten sich über 200 Menschen um das Gebäude im Zentrum der mehrheitlich von Drusen bewohnten Stadt versammelt und in lauten Rufen den Sturz von Präsident Baschar al-Assad gefordert. Bisher war die Provinz Suweida von den Gewaltausbrüchen in Syrien verschont geblieben. Die Minderheit der Drusen ist bemüht, nicht in den syrischen Konflikt hineingezogen zu werden, in dem vor allem sunnitische Rebellen gegen Assads Herrschaft stehen.

»Mindestens ein Demonstrant und ein Polizist wurden getötet«, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Der Demonstrant wurde demnach von den Sicherheitskräften erschossen.

Das örtliche Nachrichtenportal Suwayda24 meldete ebenfalls zwei Tote. Vier weitere Menschen seien mit Schussverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das Innenministerium erklärte, eine »Gruppe von Gesetzlosen« habe versucht, das Polizeipräsidium zu stürmen und dabei einen Polizisten getötet. Einige Demonstranten seien bewaffnet gewesen. Das syrische Staatsfernsehen meldete, »Gesetzesbrecher« hätten das Gebäude der Provinzregierung gestürmt und offizielle Dokumente und Akten angezündet.

Die syrische Wirtschaft ist durch den jahrelangen Bürgerkrieg und die westlichen Sanktionen weitgehend zum Erliegen gekommen. 90 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze und 12,4 Millionen Menschen sind nach Uno-Angaben von Ernährungsunsicherheit betroffen. In Suweida und anderen Städten kommen noch Strom- und Treibstoffknappheit hinzu. Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen weitere Sparmaßnahmen angekündigt, unter anderem wird der Strom noch stärker rationiert.

dop/AFP/Reuters

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.