Nach IS-Großangriff auf Gefängnis Hilfsorganisation Care stellt Arbeit in Nordostsyrien ein

Der »Islamische Staat« attackierte vor einer Woche ein Gefängnis im Nordosten Syriens, in dem auch Hunderte Kinder interniert waren. Die NGO Care beendet nun vorerst ihre Arbeit.
Al-Hassaka: Kämpfer der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte stehen mit Gewehren in der Hand hinter einer Hauswand in der Nähe des Gweiran-Gefängnisses (Archivbild)

Al-Hassaka: Kämpfer der kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräfte stehen mit Gewehren in der Hand hinter einer Hauswand in der Nähe des Gweiran-Gefängnisses (Archivbild)

Foto: Hogir Al Abdo / dpa

Die Bevölkerung im Nordosten Syriens erlebt eine schwere humanitäre Krise. Millionen Menschen leiden unter einer immensen Wirtschaftskrise, der anhaltenden Coronapandemie sowie den aktuell niedrigen Temperaturen und Schneestürmen. Nun fällt ein wichtiges Hilfsangebot in der Region vorübergehend weg.

Die Hilfsorganisation Care stellt wegen der angespannten Sicherheitslage im Nordosten Syriens ihre humanitäre Arbeit vorerst ein. Betroffen sind 146 Angestellte in der Region des Bürgerkriegslands, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Allein in der Großstadt Al-Hassaka stellen demnach 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit ein.

Vor einer Woche hatte die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) im Nordosten Syriens ein Gefängnis angegriffen . Bei den Gefechten mit den von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) wurden mehr als 180 Menschen getötet. Es war der schwerste Angriff der Terrormiliz seit Jahren. Zehntausende Menschen flohen in der Stadt Al-Hassaka vor den Kämpfen.

Wie viele Inhaftierte genau entkommen konnten, ist unklar. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzt, dass etwa 200 Inhaftierte noch flüchtig sind. Im dortigen Gefängnis saßen nach Angaben kurdischer Medien zuletzt rund 5000 IS-Anhänger. Erschwert wurde der Kampf auch durch Hunderte im Gefängnis inhaftierte Kinder, die durch die Gefechte bedroht wurden.

Die Sicherheit der eigenen Angestellten könne aktuell nicht gewährleistet werden, teilte Care nun mit. »Wir sind zutiefst besorgt darüber, was die aktuelle Sicherheitslage für unsere humanitäre Arbeit in Zukunft bedeuten wird. Deshalb fordern wir alle Parteien nachdrücklich dazu auf, die Gewalt einzustellen, damit wir weiterhin überlebensnotwendige Hilfe leisten können«, sagte Care-Länderdirektorin Jolien Veldwijk laut Mitteilung.

Die Hilfsorganisation mit Sitz in der Schweiz ist nach eigenen Angaben seit 2014 in Nordostsyrien aktiv. Care verteilt Lebensmittel, sorgt für sauberes Trinkwasser und schafft Notunterkünfte.

asc/dpa
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