DER SPIEGEL

Ramadan in Syrien Tafeln zwischen Trümmern

Seit März herrscht im Nordwesten Syriens Waffenruhe. Eine Initiative hat nun in der zerstörten Stadt Atarib ein gemeinsames Fastenbrechen in einem apokalyptischen Umfeld veranstaltet.
Ein Video von Andreas Landberg

Atarib, eine kleine Stadt im Nordwesten Syriens. Hier flogen russische und syrische Bomber im Februar Luftangriffe, viele Menschen sind geflohen, der Ort liegt weitestgehend in Trümmern.  

Seit März aber herrscht ein Waffenstillstand in der Region. Auch in Atarib ist damit Ruhe eingekehrt. Dutzende Familie und Kinder haben sie nun für einen gemeinsamen Iftar genutzt, das Fastenbrechen am Abend während des Ramadan. Bis zu Sonnenuntergang ist es Muslimen derzeit unter anderem nicht gestattet, zu essen oder zu trinken.  

Damit die Menschen aus Atarib das Fastenbrechen in ihrer Heimat feiern können, brauchte es einiges an Vorbereitung - auch wegen des Coronavirus.  

Abdelmalak Sheikh, Freiwilliger der Initiative "Gemeinsam":  
"Nachdem sich das Leben in Atarib langsam wieder zu normalisieren begonnen hat und nach der Rückkehr einiger Einwohner in diese großartige Stadt, haben wir – die Initiative "Gemeinsam" – uns entschlossen, zusammen mit den Zivilschutzkräften diesen Iftar vorzubereiten. Die Zivilschutzkräfte haben uns geholfen, wir haben das Gebiet desinfiziert und Matten auf den Boden gelegt. Wir wollten eine Botschaft senden aus dem Schutt, dass wir standfest sind. Wenn Gott will, werden wir die Zerstörung, die Bashar al-Assad verursacht hat, in Leben und Hoffnung verwandeln." 

Für die Einwohner bedeutet das gemeinsame Fastenbrechen zumindest vorerst ein wenig Normalität, sie zeigen sich erleichtert und dankbar - nach Wochen voller Angst und Verzweiflung.  

Mohamad Jabar, Einwohner von Atarib:  
"Das ist eine großartige Initiative, wir sitzen hier alle zusammen. Zum ersten Mal nach der enormen Zerstörung von Atarib, die die heftige Bombardierung verursacht hat.

Nach Angaben eines syrischen Hilfswerks sind seit dem Waffenstillstand rund 100.000 Syrer nach Aleppo und Idlib zurückgekehrt.  

Das Coronavirus grassiert im Nordwesten Syriens noch nicht. Es gibt bisher keinen bestätigten Fall. Ärzte befürchten aber, dass ein Ausbruch von Covid-19 aufgrund der zerstörten medizinischen Infrastruktur und der überfüllten Flüchtlingslager schnell zu einer humanitären Katastrophe führen könnte. 

 

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