Krieg in Syrien Russland verstärkt offenbar Präsenz nahe türkischer Grenze

Die Lage in Nordsyrien ist extrem angespannt. Nach Wochen der Luftangriffe droht nun auch eine Bodenoffensive des türkischen Militärs. Anwohner berichten, dass auch Russland sich offenbar vorbereitet.
Türkische Panzer in der Nähe der syrisch-türkischen Grenze (Archivbild)

Türkische Panzer in der Nähe der syrisch-türkischen Grenze (Archivbild)

Foto: Murad Sezer / REUTERS

Nach den jüngsten Luftangriffen auf kurdische Stellungen in Syrien durch das türkische Militär drohte Ankara zuletzt auch mit einer Bodenoffensive im Norden des Nachbarlandes. Nun reagiert offenbar Russland und verstärkt seinerseits die Präsenz nahe der türkischen Grenze.

Das Gebiet wird derzeit von kurdischen Kämpfern und syrischen Regierungssoldaten kontrolliert. Bewohner der Stadt Tal Rifaat nördlich von Aleppo sagten der Nachrichtenagentur AFP, dass russische Soldaten die Stadt erreicht hätten. Tal Rifaat liegt 15 Kilometer südlich der Grenze zur Türkei. Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge verstärkte Russland zudem seine Truppen an einem nahegelegenen Luftstützpunkt und an der Grenzstadt Kobane. Unabhängig bestätigen lassen sich die Angaben nicht.

Erneut Spannungen zwischen Russland und der Türkei

Der Schritt würde einer türkischen Militäroffensive folgen, in deren Verlauf Ankara seit dem 20. November Hunderte kurdische Ziele in Nordsyrien und dem Nordirak angegriffen hatte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zuletzt auch eine Bodenoffensive angedeutet.

Die russischen Verstärkungen könnten ein Versuch sein, die »türkische Offensive zu stoppen oder hinauszuschieben«, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, gegenüber AFP. Anwohnern zufolge haben russische Streitkräfte bereits Straßensperren errichtet.

Russland kämpft im Syrienkrieg seit 2015 an der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Seit 2019 ist die russische Armee nach einem Abkommen mit der Türkei auch im Nordosten Syriens präsent.

Die Türkei verfolgt verschiedene Ziele in Syrien. Einerseits kämpft das Land für den Sturz von al-Assad und somit auch gegen Russland. Andererseits startete die türkische Armee seit 2016 drei Offensiven überwiegend gegen kurdische Kämpfer und besetzte Gebiete im Norden Syriens, die nun von Stellvertretern Ankaras kontrolliert werden.

Wenige Tage vor Beginn der jüngsten türkischen Luftschläge waren bei einem Anschlag in Istanbul sechs Menschen getötet worden. Ankara machte die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) dafür verantwortlich. Die PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG weisen jegliche Verwicklung in den Anschlag zurück.

Pentagon-Chef warnt Türkei

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin warnte den Nato-Partner Türkei am Mittwochabend (Ortszeit) vor einer neuen Militäroperation in Syrien. Dem Pentagon zufolge habe Austin seinem türkischen Amtskollegen seinen »klaren Widerspruch« zum Ausdruck gebracht und Sorge über die eskalierende Situation in der Region geäußert. Offenbar mit Bezug auf einen türkischen Luftschlag gegen eine auch von den USA genutzte Basis in Syrien sagte Austin zudem, durch den Angriff sei US-Personal direkt bedroht worden.

zob/AFP/Reuters
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