Syrien Staatsfernsehen meldet Schwächeanfall von Machthaber Assad

Syriens Staatschef Baschar al-Assad musste eine Rede vor Abgeordneten für mehrere Minuten unterbrechen, melden Staatsfunk und Präsidialamt. Niedriger Blutdruck soll der Grund gewesen sein.
Angeschlagen? Baschar al-Assad, Machthaber im Bürgerkriegsland Syrien, hier bei einer Regierungsklausur zur Eindämmung des Coronavirus im Mai 2020

Angeschlagen? Baschar al-Assad, Machthaber im Bürgerkriegsland Syrien, hier bei einer Regierungsklausur zur Eindämmung des Coronavirus im Mai 2020

Foto:

SANA/ via REUTERS

Syriens Staatschef Baschar al-Assad, der seine Macht seit mehr als neun Jahren in einem Bürgerkrieg gegen zahlreiche Rebellengruppen verteidigt, hat bei einer Rede an das neu zusammengesetzte Parlament in Damaskus offenbar einen Schwächeanfall erlitten.

Das syrische Staatsfernsehen meldete am Mittwochnachmittag, Assad habe seine Ansprache wegen "niedrigen Blutdrucks" für einige Minuten unterbrechen müssen. Dann habe er normal weitersprechen können.

Das Parlament besteht in Syrien nicht aus demokratisch gewählten Abgeordneten, sondern ausschließlich aus Getreuen des Machthabers. Live-Bilder der Rede gab es nicht, sie wurde aufgezeichnet und soll am Abend im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt werden.

Die Meldung über den Schwächeanfall verbreitete auch der offizielle Twitter-Kanal der Präsidentschaft, zusammen mit einem Foto, das Assad offenbar bei der Rede vor den Parlamentariern zeigt.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Assad, 54, führt seit 2011 Krieg gegen das eigene Volk. An der Macht ist er mutmaßlich nur noch, weil Russland 2015 in den Krieg eintrat und das Regime nun seither militärisch am Leben hält.

Russland half mit Kampfflugzeugen und teils mit Söldnertruppen, der Armee Assads den Weg in die zahlreichen Rebellengebiete freizubomben.

Assads Soldaten setzten mehrfach und nachweislich chemische Kampfstoffe in Rebellengebieten ein, über Wohngebieten warf die Luftwaffe aus Hubschraubern sogenannte Fassbomben ab.

Zehntausende Tote, mehr als fünf Millionen auf der Flucht

Zehntausende Menschen sind gestorben, 5,5 Millionen geflohen. Mehr als drei Millionen Menschen retteten sich vor dem Krieg in die Türkei, Hunderttausende flohen in die Nachbarländer Jordanien und Libanon.

Die syrische Hauptstadt leidet derzeit stark unter der Covid-19-Pandemie. Über den "niedrigen Blutdruck" hinaus machten die staatlichen Quellen keine Angaben zu Assads Gesundheit. Vorerkrankungen sind bei Assad nicht bekannt.

Sein Vater, Diktator Hafis al-Assad, erlitt in vergleichsweise jungen Jahren einen Herzinfarkt. Er starb im Jahr 2000 im Alter von 69 Jahren, seitdem ist sein zweitältester Sohn Baschar an der Macht.

Der Sohn führte das Terrorregime des Vaters fort, Tausende Regierungsgegner wurden in den vergangenen Jahrzehnten unter der Herrschaft der Assad-Familie eingesperrt oder ermordet.

Als es in der Folge des Arabischen Frühlings im Jahr 2011 zu Aufständen kam, reagierte der Machthaber umgehend mit einer Terrorwelle, die sich zum Flächenbrand ausweitete und in den Krieg mündete, der bis heute andauert.

cht/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.