Syrien Unicef fordert Freilassung von Kindern aus umkämpftem Gefängnis

Seit Tagen greifen IS-Kämpfer in einer syrischen Stadt ein Gefängnis an, um die Insassen zu befreien. Unicef befürchtet durch die Gefechte eine Gefahr für mehr als 800 Kinder, die dort mit ihren Eltern interniert sind.
Kurdische Anwohner von Hassaka

Kurdische Anwohner von Hassaka

Foto: AHMED MARDNLI / EPA

In der syrischen Stadt Al-Hassaka sind durch die heftigen Angriffe der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) auf ein Gefängnis nach Unicef-Angaben fast 850 inhaftierte Kinder in unmittelbarer Gefahr. »Je länger die Kämpfe andauern, desto größer ist das Risiko für Kinder, verletzt oder zwangsrekrutiert zu werden«, sagte der Vertreter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen für Syrien, Bo Viktor Nylund. »Wir fordern die Freilassung der Kinder aus dem Gefängnis.« Einige von ihnen seien erst zwölf Jahre alt.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte sind beim Angriff auf das Gefängnis mehr als 150 Menschen getötet worden, darunter 102 Dschihadisten und sieben Zivilisten. Die von Kurden angeführten Truppen versuchten dort am Sonntag, das Gefängnis wieder vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie werden dabei von US-Truppen durch Luftangriffe unterstützt. Laut der Beobachtungsstelle kontrollieren die von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) mittlerweile knapp die Hälfte des Gefängnisses, während sich die Dschihadisten im Nordteil verschanzt haben.

10.000 Kinder und ihre Mütter in Internierungslagern

Der Überfall auf das Gefängnis, der am Donnerstagabend begonnen hatte, war einer der schwersten Angriffe des IS in Syrien seit Jahren. Ziel war die Befreiung inhaftierter Anhänger.

Die Gewalt könnte auch auf andere Gefängnisse und Lager übergreifen, warnte der Unicef-Vertreter. Im Nordosten Syriens befänden sich fast 10.000 Kinder und ihre Mütter in Internierungslagern. Sie alle seien besonders schutzbedürftig. Al-Hassaka liegt im von syrischen Kurden kontrollierten Nordosten des Bürgerkriegslandes. Im dortigen Gefängnis saßen nach Angaben kurdischer Medien zuletzt rund 5000 IS-Anhänger.

Der Angriff auf das Gefängnis zeigt, dass der Kampf gegen den IS noch nicht gewonnen ist. Die Dschihadisten hatten im Sommer 2014 große Gebiete im Norden und Westen des Irak eingenommen und dort ein sogenanntes Kalifat ausgerufen. Zum Herrschaftsgebiet gehörten auch große Teile des benachbarten Syrien.

als/dpa
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