Maximilian Popp

Syrienkrieg Warum die Europäer der Türkei in Idlib helfen müssen

Maximilian Popp
Ein Kommentar von Maximilian Popp
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Erdogan ist ein Despot. Trotzdem muss ihn die EU in Idlib unterstützen. Nur so lässt sich das Leid der Flüchtlinge lindern.
Präsident Erdogan: Er macht, was seinem Regime nützt

Präsident Erdogan: Er macht, was seinem Regime nützt

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ADEM ALTAN/ AFP

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in Syrien stets das getan, wovon er glaubte, dass es seinem Regime nützen würde. Er hat Dschihadisten aufgerüstet. Er hat im Südosten des Landes einen Angriffskrieg gegen die Kurden-Miliz YPG geführt. Nun instrumentalisiert er Flüchtlinge, um die EU zur Zusammenarbeit in der Provinz Idlib zu nötigen.

Bei aller berechtigten Kritik an Erdogan sollten die Europäer jetzt dennoch genau das tun: die Türkei in Idlib unterstützen. Nicht, um Erdogan einen Gefallen zu tun, sondern um das Leid der Syrer zu lindern.

In Idlib spielt sich eine der bislang größten humanitären Katastrophen des 21. Jahrhundert ab. Zu verantworten haben sie vor allem Syriens Diktator Baschar al-Assad und sein wichtigster Unterstützer, Russlands Präsident Wladimir Putin

Die Welt hat die Schutzsuchenden in Idlib ihrem Schicksal überlassen

Mit unvorstellbarer Grausamkeit haben Assad und Putin Syrien von den Rebellen zurückerobert. Russische Jets haben gezielt Krankenhäuser, Schulen, Wohnhäuser bombardiert, Assad hat Menschen zu Tode gefoltert und Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt.

Etwa eine Million Menschen harren nun im syrisch-türkischen Grenzgebiet aus, vor sich die türkische Grenzmauer, hinter sich die heranrückenden Schergen Assads. Sie frieren. Sie hungern. Sie wissen nicht, wohin.

Die Weltgemeinschaft hat die Schutzsuchenden in Idlib ihrem Schicksal überlassen, weshalb sich deren letzte Hoffnung auf Erdogan richtet. Der türkische Präsident agiert in Idlib so wenig selbstlos wie in anderen syrischen Provinzen zuvor. Er will schlicht vermeiden, dass sich abermals Flüchtlinge auf den Weg in die Türkei machen - und setzt deshalb sein Militär gegen Assad ein. 

Wer sich nun darüber empört, dass Erdogan die Tore für Migranten nach Europa öffnet, der sollte eines nicht vergessen: Die Türkei beherbergt fast 4 Millionen Flüchtlinge, mehr als jedes andere Land. Die EU-Staaten geraten wegen 13.000 Menschen an ihren Grenzen in Panik. 

Noch ist es nicht zu spät, das Inferno in Idlib zu stoppen

Es ist beschämend, dass die Europäer Putins und Assads Kriegsverbrechen so lange tatenlos hingenommen haben. Es ist beschämend, dass es die Bilder von den Migrantentrecks an der türkisch-griechischen Grenze brauchte, damit die EU-Außenminister diese Woche zu einem Idlib-Gipfel zusammenkommen.

Noch aber ist es nicht zu spät, das Inferno in Idlib zu stoppen. Es braucht jetzt keine weitere belanglose Presseerklärung aus Brüssel. Was es braucht, sind individuelle Sanktionen gegen all jene, die auf russischer und syrischer Seite für den Terror gegen die Bevölkerung verantwortlich sind. 

Gleichzeitig sollte sich die EU, unterstützt von der Nato, für eine Schutzzone in Idlib einsetzen. Diese sollte dann nicht von der Türkei bewacht werden, sondern von einer internationalen Koalition. Parallel dazu müssten die EU und die Uno im großen Stil Hilfsgüter ins Land schaffen.

Die EU kann nicht beklagen, dass Autokraten wie Erdogan und Putin über das Schicksal der Menschen in Syrien entscheiden - und selbst keinerlei Verantwortung übernehmen.

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