Angaben aus Taiwan 16 chinesische Kampfjets überqueren die Medianlinie

Chinas Manöver vor Taiwan ist eine einzige Provokations-Eskalation. Jetzt meldet das Verteidigungsministerium, dass Kampfjets in seine Luftverteidigungszone eingedrungen seien.
Chinesische Kampfjets vom Typ J-11 in der Provinz Liaoning im April 2019

Chinesische Kampfjets vom Typ J-11 in der Provinz Liaoning im April 2019

Foto: REUTERS

Seit fünf Tagen hält China militärische Übungen nahe Taiwan ab – nun soll die Volksrepublik mit einer Grenzüberschreitung provoziert haben. Nach Angaben des taiwanischen Verteidigungsministeriums sind insgesamt 16 chinesische Kampfjets in die Luftverteidigungszone Taiwans eingedrungen und haben die Medianlinie in der Taiwanstraße überschritten.

Die sogenannte Medianlinie ist eine inoffizielle Demarkationslinie in der Mitte der Taiwanstraße, die während der Fünfzigerjahre von den USA definiert wurde. Seitdem haben sich sowohl China als auch Taiwan meistens daran gehalten, die Grenze nicht zu überschreiten. Erstmals überflog 2020 ein chinesischer Kampfjet die Medianlinie, jüngst drangen chinesische Schiffe mehrfach über die Linie in taiwanesische Gewässer vor.

China hat die Manöver als Reaktion auf den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan begonnen. Eigentlich sollten die Übungen Sonntag enden, doch die Militärübungen wurden auch am Dienstag fortgesetzt, wie die chinesische Volksarmee mitteilte. Dabei kämen die Luftwaffe und die Marine zum Einsatz. Bei den Übungen rund um die Insel Taiwan stünden »gemeinsame Blockade- und gemeinsame Unterstützungseinsätze« im Mittelpunkt.

»Ein klares Bild der echten geostrategischen Ambitionen Chinas«

Taiwans Außenminister Joseph Wu sagte, man lasse sich nicht von den Manövern einschüchtern. Er sagte, die Übungen seien dazu da, »sich auf eine Invasion Taiwans vorzubereiten«. Die Provokationen würden die gesamte Region destabilisieren und »ein klares Bild der echten geostrategischen Ambitionen Chinas weit über Taiwan hinaus« liefern.

China wies die Vorwürfe zurück. Wu sei ein »steinharter« Anhänger von Taiwans Unabhängigkeit, er würde »Fakten verdrehen und die Wahrheit verschleiern«, ließ ein Sprecher aus Peking ausrichten.

Seit der Spaltung zwischen China und Taiwan im Jahr 1949 betrachtet Peking die Insel als abtrünniges Gebiet, das es wieder mit dem Festland vereinigen will – notfalls mit militärischer Gewalt. Der Konflikt zwischen Peking und Taipeh hat sich zuletzt unter dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping verschärft. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat zudem Befürchtungen wachsen lassen, Peking könnte im Umgang mit Taiwan auf ein ähnliches Vorgehen setzen.

col/mrc/Reuters
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