Verletzung des Luftsicherungsraums Taiwan beklagt weitere Provokationen durch China

Seit zwei Tagen kommen sie regelmäßig: In zunächst drei Wellen verletzten chinesische Kampfflugzeuge Freitag und Samstag den von Taiwan beanspruchten Luftsicherungsraum. In der Nacht zum Sonntag kam die vierte.
Am Samstag von taiwanesischen Fliegern fotografiert: Chinesisches Überwachungsflugzeug vom Typ Shaanxi KJ-500.

Am Samstag von taiwanesischen Fliegern fotografiert: Chinesisches Überwachungsflugzeug vom Typ Shaanxi KJ-500.

Foto: TAIWAN MINISTRY OF NATIONAL DEFE HANDOUT / EPA

Immer sind es rund 20 Maschinen, immer besteht der Verband aus Kampffliegern, U-Boot-Jägern und atomwaffenfähigen Bombern: Seit Freitag sorgen Verletzungen des taiwanischen Luftsicherungsraums durch chinesische Luftwaffenverbände für zunehmende Nervosität. Seit Freitagnachmittag ist es jeweils eine Welle bei Tag und eine bei Nacht, die in Taiwan für helle Aufregung sorgt. Beobachtet wurden mittlerweile 77 chinesische Maschinen in zwei Tagen – wobei es denkbar ist, dass China immer denselben Verband von rund 20 Maschinen durch das Gebiet kreisen lässt. Inzwischen zählt die taiwanische Luftabwehr vier massive Verletzungen ihrer »Adiz« (»Air Defense Identification Zone«).

Die ist allerdings nicht mit dem eigentlichen Luftraum über Taiwan zu verwechseln, von dem sich die chinesischen Verbände fernhielten. Sie kamen ihm nur nah: Die von Taiwan beanspruchte Adiz umfasst nicht nur den eigentlichen Luftraum über der Insel Taiwan, sondern auch Teile der chinesischen Luftüberwachungsgebiete und sogar Teile von Festland-China. Man kann sie als eine Art weit gefasste Pufferzone verstehen, in der einfliegende Militärmaschinen aufgefordert sind, sich zu identifizieren und ihre Koordinaten fortlaufend zu melden. China erkennt diese Flugsicherheits-Zone nicht an, aus Pekinger Perspektive überflogen die Kampfverbände nur chinesisches Gebiet.

China lässt die taiwanischen Reaktionen auf diese Überflüge aber offenbar scharf beobachten. Am Sonntagmorgen veröffentlichte die Luftwaffe von Taiwan das Foto eines chinesischen Awacs-Fliegers vom Typ Shaanxi KJ-500, der die chinesischen Verbände begleitet haben soll. Awacs-Flugzeuge sind mit leistungsfähigen Beobachtungs- und Kommunikationsanlagen ausgerüstet. Als reine Routine behandelt auch Peking diese Flüge also wohl kaum.

Dass die Überflüge dazu beitragen, die Spannungen zwischen China und Taiwan erneut zu verschärfen, dürfte allen Beteiligten klar sein. Augenfällig ist auch, dass Peking solche Aktionen gern ansetzt, um der taiwanischen Regierung in Taipeh ihr Missfallen mitzuteilen: Im September kam es zuletzt zu massiven Adiz-Durchflügen, als Taiwan über den Beitritt zu einem westlichen Handelsbündnis verhandelte. Und die aktuellen Adiz-Verletzungen könnten als Reaktionen auf die Marinemanöver westlicher Verbündeter Taipehs im südchinesischen Meer verstanden werden, an denen vor allem Verbände der USA und Großbritanniens beteiligt sind.

Taiwan beklagt schon seit einem Jahr immer wieder Verletzungen seines Luftsicherungsraums durch chinesische Kampfflugzeuge vor allem im Südwesten des Landes und im Luftraum über den Pratas-Inseln. Am Samstag hatte Taiwans Ministerpräsident Su Tseng-Chang bereits heftige Vorwürfe gegen China erhoben. »China betreibt mutwillig militärische Aggressionen und beschädigt den Frieden in der Region«, sagte Su vor Journalisten.

China hat sich bisher noch nicht zu den Luftraumverletzungen geäußert. Taiwan begeht am kommenden Sonntag seinen Nationalfeiertag mit einer Rede von Präsidentin Tsai Ing-Wen und einer Militärparade im Taipeh, bei der auch Kampfjets vorbeifliegen sollen.

China hat in der Vergangenheit den Druck auf Taiwan erhöht, um es zur Anerkennung der chinesischen Souveränität zu zwingen. Taiwan erklärt dagegen, es sei ein unabhängiger Staat und werde Freiheit und Demokratie verteidigen. Zu den wichtigsten Unterstützern Taiwans zählen die USA.

pat/Reuters
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