Konflikt im Pazifik Top-US-Militär warnt vor chinesischem Einmarsch in Taiwan

Pekings Druck auf Taiwan steigt – und im Pentagon wächst die Sorge über mögliche militärische Schritte der Chinesen. Nun wurde ein Admiral vor dem US-Senat deutlich. Auch Guam könnte demnach in Gefahr geraten.
Taiwanesischer Jet und chinesischer Bomber (Archivbild aus Februar 2020)

Taiwanesischer Jet und chinesischer Bomber (Archivbild aus Februar 2020)

Foto: AP

Erst Ende Januar hatte es wieder einen Zwischenfall gegeben. Damals gab das Außenministerium in Taipeh bekannt, 15 chinesische Flugzeuge seien in den Südwesten der taiwanesischen Zone eingedrungen. Zwölf der Maschinen seien Kampfflugzeuge gewesen. Die chinesischen Flieger hätten dabei den Luftraum zwischen dem südlichen Ende Taiwans und den durch Taiwan kontrollierten Dongsha-Inseln durchflogen, hieß es weiter.

Seit Langem schwelt der Konflikt zwischen Taiwan und der Volksrepublik, die Taiwan als Teil ihres Territoriums betrachtet. Nun hat der ranghöchste US-Militär im asiatisch-pazifischen Raum eine klare Warnung ausgesprochen. »Ich fürchte, dass China seine Ambitionen verstärken wird, die Führungsrolle der USA in der internationalen Ordnung zu übernehmen«, sagte Admiral Philip Davidson einem Komitee des US-Senats am Dienstag (Ortszeit). Darüber berichtet unter anderem der britische »Guardian« .

Dabei könnte Taiwan in seinen Augen schon bald eine Schlüsselrolle einnehmen. »Taiwan ist eindeutig eins ihrer Ziele schon vor diesem Zeitpunkt. Ich glaube, diese Bedrohung könnte schon in dieser Dekade sehr real werden. Wohl sogar schon in den kommenden sechs Jahren«, so Davidson weiter.

Zuletzt hatte das Außenministerium in Washington die chinesische Regierung aufgefordert, das Nachbarland nicht weiter einzuschüchtern. Dabei ging es explizit auch um die Flugzeuge im umstrittenen Luftraum.

Peking sieht Taiwan als Teil Chinas

Die USA stünden felsenfest zu Taiwan und unterstützten die Führung in Taipeh auch weiterhin bei der ausreichenden Selbstverteidigung, hieß es in dem Statement aus Washington weiter. Die US-Regierung forderte China dazu auf, seinen »militärischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Druck auf Taiwan« einzustellen. Dies trage zu Frieden und Stabilität in der Region bei, so das Außenministerium. Die kommunistische Führung in Peking sieht das demokratische Taiwan infolge ihrer Ein-China-Doktrin als Teil der Volksrepublik an.

Seitdem China mit einem Staatssicherheitsgesetz Hongkong stärker unter seine Kontrolle gebracht hat, fühlt sich Taiwan bedroht wie selten zuvor. Chinas offensichtliche Missachtung internationaler Konventionen in Hongkong lässt eine Invasion Taiwans nicht mehr undenkbar erscheinen.

Auch Guam könnte mittelfristig zum möglichen Ziel werden

Neben den Risiken für Taiwan ging Davidson auch auf eine mögliche Bedrohung von Guam ein, dem US-amerikanischen Außengebiet in Mikronesien. Dort befindet sich der strategisch enorm wichtige US-Luftwaffenstützpunkt Andersen Air Force Base. »Guam ist heute bereits ein Ziel«, sagte der Admiral vor dem Komitee.

Dabei erinnerte er an ein Video des chinesischen Militärs, das im September 2020 an die Öffentlichkeit gelangt war. Darin werden Angriffe auf einen Stützpunkt simuliert, der stark an Guam erinnert. Bei einem militärischen Zwischenfall in der Region würde die Andersen Air Base bei einer möglichen US-Reaktion eine wichtige Rolle spielen.

DER SPIEGEL

Admiral Davidson verband seine Ausführungen mit der Bitte an den Senat, der Installation eines neuen Raketenabwehrsystems auf Guam zuzustimmen. Damit würde man das Signal an die Verantwortlichen in China senden, dass »der Preis für ihre Pläne hoch wäre«.

jok