Spannungen nach Pelosi-Besuch Taiwan wirft Peking vor, Angriff auf Hauptinsel zu simulieren

China setzt die Militärmanöver vor der Küste Taiwans fort, der Inselstaat mobilisiert seine Raketenabwehrsysteme. Unterdessen sorgt der Tod eines hochrangigen taiwanischen Beamten für Wirbel.
Wachsende Nervosität: Vorn ein chinesischer Marinesoldat, im Hintergrund eine taiwanesische Fregatte

Wachsende Nervosität: Vorn ein chinesischer Marinesoldat, im Hintergrund eine taiwanesische Fregatte

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Lin Jian / AP

China hat seine groß angelegten Manöver um Taiwan fortgeführt . Wie das Verteidigungsministerium in Taipeh berichtete, operierten zahlreiche Militärflugzeuge und Kriegsschiffe am Morgen in der Nähe Taiwans. Einige von ihnen hätten die inoffizielle, aber meist von beiden Seiten respektierte Mittellinie in der Meerenge der Taiwanstraße überquert, die das Festland und die Insel trennt.

Als Reaktion habe das taiwanesische Militär Flugzeuge geschickt, Warnungen über Funk abgesetzt und Raketenabwehrsysteme mobilisiert, um die chinesischen Militärmaschinen zu verfolgen. Die chinesische Volksbefreiungsarmee habe nach Einschätzung des taiwanesischen Militärs einen Angriff auf die Insel »simuliert«, hieß es.

China hatte die bis Sonntag angekündigten Manöver rund um die demokratische Inselrepublik als Reaktion auf den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, in Taiwan gestartet. Es war der ranghöchste Besuch aus den USA seit einem Vierteljahrhundert. China betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik und lehnt im Zuge der »Ein-China-Politik« offizielle Kontakte anderer Länder zu Taipeh vehement ab.

Seither haben sich die Spannungen verschärft; China ließ auch elf ballistische Raketen in Richtung Taiwan starten, von denen Berichten zufolge eine sogar erstmals direkt über Taiwan und unweit der Hauptstadt Taipeh geflogen ist. Fünf landeten östlich von Taiwan in der nahe gelegenen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Japans – was auch als Warnung an Japan gewertet wurde, sich aus dem Konflikt herauszuhalten.

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USA sprechen von »unverantwortlichen Schritten«

Seit Pelosis Besuch in Taiwan kappte China auch Verbindungen mit den USA. Nach Angaben des Außenministeriums in Peking seien etwa ein geplantes Treffen militärischer Spitzenvertreter beider Seiten abgesagt und die bilateralen Klimagespräche ausgesetzt worden. US-Außenminister Antony Blinken warf China bei einem Besuch auf den Philippinen »unverantwortliche Schritte« vor.

Am Samstagmorgen sorgten zudem Berichte über den plötzlichen Tod eines hochrangigen Beamten des taiwanesischen Verteidigungsministeriums für Aufsehen. Der stellvertretende Chef der Forschungs- und Entwicklungsabteilung, Ou Yang Li-hsing, wurde tot in einem Hotelzimmer im südlichen Bezirk Pingtung aufgefunden.

Laut der staatlichen Nachrichtenagentur CNA starb der 57-Jährige an einem Herzinfarkt. Das Zimmer habe demnach keine Anzeichen eines Einbruchs aufgewiesen. Ou Yang hatte den Posten Anfang des Jahres übernommen, um verschiedene Raketenprojekte zu beaufsichtigen.

hba/dpa/Reuters
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