Berühmtes »National Geographic«-Cover »Das afghanische Mädchen« nach Italien ausgeflogen

Als Kind wurde Sharbat Gula weltberühmt – ihr Foto zierte das Cover von »National Geographic« und stand sinnbildlich für das Leiden der Menschen in Afghanistan. Nun wurde sie nach Rom evakuiert.
Das Foto »Afghan Girl« bei einer Steve-Curry-Ausstellung in Erfurt (2014)

Das Foto »Afghan Girl« bei einer Steve-Curry-Ausstellung in Erfurt (2014)

Foto: Jens Meyer/ AP

Stechend grüne Augen blicken misstrauisch-verängstigt aus dem Gesicht eines afghanischen Mädchens in einem roten Schleier: Das Foto der geflüchteten Sharbat Gula von Fotograf Steve McCurry wurde Mitte der Achtzigerjahre weltberühmt – als Sinnbild für das Leid der afghanischen Bevölkerung zu dieser Zeit.

Nun wurde Gula aus Afghanistan nach Italien ausgeflogen. Sie ist inzwischen Ende 40. »Die afghanische Staatsbürgerin Sharbat Gula ist in Rom angekommen«, erklärte die italienische Regierung am Donnerstag. Rom habe ihre Ausreise »ermöglicht und organisiert«.

Die Frau habe darum gebeten, Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban verlassen zu können, hieß es. Hilfsorganisationen hätten den Appell weitergetragen. Die Regierung Draghis habe daraufhin Gulas Ausreise nach Italien im Zusammenhang mit dem Evakuierungsplan für afghanische Bürgerinnen und Bürger organisiert.

Italien hat sich neben den USA, der Türkei, Großbritannien und Deutschland am stärksten an der Evakuierungsmission aus Kabul beteiligt, nachdem die Taliban dort im August die Macht übernommen hatten. Über die internationale Luftbrücke waren binnen wenigen Wochen etwa 123.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden.

Der Fotograf McCurry hatte Gula 1984 im pakistanischen Flüchtlingslager Nasir Bagh fotografiert. Dorthin war das Mädchen während der sowjetischen Besatzung Afghanistans geflohen. Die Aufnahme erschien im Folgejahr auf dem Cover des Magazins »National Geographic«.

»Afghan Girl« (das afghanische Mädchen) stand für die Not afghanischer Flüchtlinge, die in Pakistan eine freundliche Aufnahme fanden. Im Jahr 2016 wurde Gula in ihre Heimat zurückgeschickt, da Pakistan den Druck auf afghanische Flüchtlinge erhöhte, das Land wieder zu verlassen.

Sharbat Gula (Archivbild)

Sharbat Gula (Archivbild)

Foto: Hedayatullah Amid / dpa

Nachdem das Cover mit ihrem Foto erschienen war, verlor sich zunächst die Spur von Gula. Nach dem damaligen Ende der Taliban-Herrschaft konnten McCurry und sein Team sie im Jahr 2002 wieder ausfindig machen. »Das Foto und das Mädchen waren ja Teil meines fotografischen Werks geworden«, sagte McCurry damals  über seine Suche nach Gula. »Da ich nicht wusste, was mit ihr geschehen war, fühlte ich mich unglaublich erleichtert, als ich erfuhr, dass sie überlebt hat.«

aar/dpa/AFP
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