Afghanistan Westliche Staaten fordern von Taliban Wiedereröffnung der Mädchenschulen

Nur ganz kurz erlaubten die Taliban afghanischen Mädchen wieder den Schulbesuch. Die Außenminister mehrerer westlicher Staaten rufen die Islamisten jetzt zum Kurswechsel auf.
Mädchen in einer Schule in Kabul (Archivaufnahme)

Mädchen in einer Schule in Kabul (Archivaufnahme)

Foto: HEDAYATULLAH AMID / EPA-EFE
Globale Gesellschaft

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Seit einigen Monaten sind in Afghanistan die Taliban wieder an der Macht – mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung. So gibt es für viele Mädchen keine Chance, zur Schule zu gehen: Die Islamisten hatten am Mittwoch kurz nach der offiziellen Öffnung der weiterführenden Schulen diesen Beschluss wieder rückgängig gemacht. Tausende Schülerinnen wurden an ihrem ersten Unterrichtstag seit August nach wenigen Stunden wieder nach Hause geschickt.

Eine Gruppe westlicher Staaten fordert die Taliban nun auf, das zu korrigieren. Dies sei ein nötiger Schritt, »um ein respektiertes Mitglied der Gemeinschaft der Nationen« zu werden, erklärten die Außenminister Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Kanadas, Norwegens und der USA sowie der EU-Außenbeauftragte.

»Das Vorgehen der Taliban steht im Widerspruch zu ihren öffentlichen Zusicherungen gegenüber dem afghanischen Volk und der internationalen Gemeinschaft«, teilten Vertreter der westlichen Staaten mit. Die Entscheidung müsse dringend rückgängig gemacht werden. Die Konsequenzen gingen »weit über den Schaden für afghanische Mädchen hinaus«.

Das Recht von Frauen auf Bildung ist eine der Hauptbedingungen der internationalen Gemeinschaft für Hilfen an die nicht anerkannte Taliban-Regierung. Als die Islamisten im August vergangenen Jahres die Macht übernahmen, hatten sie offiziell wegen der Coronapandemie alle Schulen geschlossen. Zwei Monate später durften nur Jungen und einige jüngere Mädchen den Unterricht wieder aufnehmen. Während der früheren Taliban-Herrschaft zwischen 1996 und 2001 war Frauen bereits der Zugang zu Bildung und zahlreichen Berufen verboten worden.

Der Kurswechsel der Taliban hatte große Verwirrung ausgelöst, eine schlüssige Begründung lieferten die Islamisten nicht. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Kreisen der Islamisten erfuhr, war die Entscheidung für die Schulschließungen nach einem Treffen hochrangiger Beamter am Dienstagabend in Kandahar getroffen worden.

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als/AFP
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