Tanker-Streit mit Iran Südkorea schickt Marineeinheit zum Persischen Golf

Nachdem Iran einen unter südkoreanischer Flagge fahrenden Tanker festgesetzt hat, schickt Südkorea eine Marineeinheit zur Bekämpfung von Piraterie in den Persischen Golf. Der Vorfall ereignet sich zu einem kritischen Zeitpunkt.
Der unter südkoreanischer Flagge fahrende Tanker »Hankuk Chemi« wird von Booten der iranischen Revolutionsgarde im Persischen Golf eskortiert

Der unter südkoreanischer Flagge fahrende Tanker »Hankuk Chemi« wird von Booten der iranischen Revolutionsgarde im Persischen Golf eskortiert

Foto: Uncredited / dpa

Nach der Festsetzung eines unter südkoreanischer Flagge fahrenden Tankers durch Iran schickt Südkorea eine Marineeinheit zur Pirateriebekämpfung in den Persischen Golf. Die Cheonghae-Einheit mit dem Zerstörer »Choi Young« sei zum Ort des Vorfalls unterwegs, teilte das Außenministerium in Seoul mit. Es treffe »Sicherheitsmaßnahmen für unsere Schiffe, die sich in dem umliegenden Meeresgebiet befinden«. Weitere Details wurden nicht genannt.

Aus dem Ministerium hieß es, dass der Tanker »Hankuk Chemi«, der nahe Oman in der Straße von Hormus unterwegs gewesen sei, auf Ersuchen der iranischen Behörden in die Gewässer Irans fahre. Südkorea rief Iran auf, das Schiff sofort freizugeben. Zusammen mit der südkoreanischen Botschaft in Iran werde überprüft, ob alle Besatzungsmitglieder des Chemikalien- und Ölprodukte-Tankers in Sicherheit seien. Es waren demnach 20 Besatzungsmitglieder an Bord, darunter fünf Koreaner. Die anderen kämen aus Myanmar, Indonesien und Vietnam.

Die iranische Nachrichtenagentur Isna hatte zuvor unter Berufung auf die Revolutionsgarden des Landes berichtet, der Tanker werde in die Hafenstadt Bandar Abbas geleitet. Die Revolutionsgarden warfen der Besatzung des Tankers demnach vor, mit seiner Ethanol-Ladung die Gewässer im Persischen Golf verschmutzt zu haben. Der Tanker sei aus dem saudi-arabischen Hafen Al-Dschubail gekommen und habe 7200 Tonnen der Chemikalie geladen.

Der Fall erinnert an die Festsetzung des britischen Öltankers »Stena Impero« im Juli 2019. Die iranischen Revolutionsgarden hatten das Schiff in der Straße von Hormus beschlagnahmt, weil es angeblich ein Fischerboot gerammt hatte. Zwei Monate später ließen sie es wieder frei.

Die Spannungen in der Golfregion haben sich deutlich zugespitzt, seit die USA nach ihrem Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen 2018 eine Politik des »maximalen Drucks« gegen Iran verfolgen. Mehrfach wurden in der Straße von Hormus Schiffe angegriffen, Drohnen abgeschossen und Öltanker beschlagnahmt. Durch die strategisch wichtige Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman wird ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion transportiert.

Der Vorfall fällt in eine politisch angespannte Zeit. Iran hat am Montag nach Regierungsangaben mit der Anreicherung von Uran auf 20 Prozent begonnen, was ein klarer Verstoß gegen das internationale Atomabkommen wäre.

bmo/dpa/AFP
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