Trotz Manipulationsvorwürfen Tansanias Präsident Magufuli zum Wahlsieger erklärt

John Magufuli regiert Tansania zunehmend mit harter Hand, zur Wahl wurden Fälschungsvorwürfe laut. Nun soll der "Bulldozer" die Abstimmung nach offiziellen Angaben gewonnen haben.
Tansanias Präsident John Magufuli wurde im Amt bestätigt (Archivfoto)

Tansanias Präsident John Magufuli wurde im Amt bestätigt (Archivfoto)

Foto: Stringer / AP

Bereits seit Monaten berichteten Oppositionelle in Tansania von Gewalt und Einschüchterungsversuchen, bei der Wahl am Mittwoch gab es dann Berichte über "weitreichende Unregelmäßigkeiten". Dessen ungeachtet hat nun eine nationale Wahlkommission den amtierenden Präsidenten des Landes, John Magufuli, im Amt bestätigt.

Den offiziellen Angaben zufolge erhielt der 61-Jährige 12,5 Millionen Stimmen beziehungsweise 84 Prozent. Sein stärkster Herausforderer, Oppositionsführer Tundu Lissu, kam demnach nur auf 1,9 Millionen Stimmen und 13 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag laut der Kommission bei etwa 50 Prozent.

"Ernsthafte Zweifel an Glaubwürdigkeit"

Am Mittwoch hatten Bürger in einem angespannten Klima über den künftigen Präsidenten und ein neues Parlament abgestimmt. Bereits vor Bekanntgabe der Ergebnisse hatte Lissu von Unregelmäßigkeiten gesprochen und die Wahl als illegitim abgelehnt. Er ruft seit Wochen zu friedlichen Protesten auf. 

Auch die US-Botschaft teilte bereits vor der Verkündung der endgültigen Resultate mit, es gebe "ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit" der Ergebnisse und "Bedenken über die Verpflichtung der Regierung von Tansania zu demokratischen Werten".

Schwere Vorwürfe gab es auch von der Opposition in der halbautonomen Region Sansibar. Auf der Insel Pemba sollen demnach unmittelbar vor der Wahl mindestens fünf Menschen von Polizisten getötet worden sein. Der Partei zufolge sollen die Opfer versucht haben, die Armee daran zu hindern, Wahlurnen zu verteilen, die bereits ausgefüllte Stimmzettel enthalten haben sollen.

Tansanias seit 2015 amtierender Staatschef Magufuli, Spitzname "Bulldozer", wird von Befürwortern unter anderem wegen seines starken und kompromisslosen Führungsstils, großer Infrastruktur-Projekte und Versprechen der Korruptionsbekämpfung unterstützt.

Beten gegen Corona

Kritiker und Menschenrechtler aber verurteilen seine zunehmenden Beschränkungen von Presse- und Meinungsfreiheit sowie seinen Umgang mit der Corona-Pandemie. Seit Mai hat Tansania offiziell keine Corona-Fälle mehr registriert. Magufuli fiel dabei etwa mit dem Vorschlag auf, man solle gegen die Pandemie beten.

Tansania mit seinen rund 56 Millionen Einwohnern gilt eigentlich als stabiles Land, die Regierungsführung von Magufuli ist aber im In- und Ausland zunehmend in die Kritik geraten.

fek/dpa
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