Prozess zu Pariser Anschlägen 2015 Hauptangeklagter will Sprengstoffgürtel absichtlich nicht gezündet haben

Bei den Terroranschlägen von Paris 2015 starben 130 Menschen. Nur einer der neun Attentäter lebt noch, Salah Abdeslams Sprengstoffgürtel zündete nicht. Vor Gericht sagte er nun, das sei Absicht gewesen.
Zeichnung von Salah Abdeslams Auftritt vor Gericht: »Ich habe mich entschieden, den Gürtel nicht zu zünden«

Zeichnung von Salah Abdeslams Auftritt vor Gericht: »Ich habe mich entschieden, den Gürtel nicht zu zünden«

Foto: Benoit Peyrucq / AFP

Im Prozess um die islamistischen Terroranschläge 2015 in Paris mit 130 Toten hat der Hauptangeklagte ausgesagt, seinen Sprengstoffgürtel absichtlich nicht gezündet zu haben. »Ich habe mich entschieden, den Gürtel nicht zu zünden, nicht aus Angst, es war meine Entscheidung«, sagte Salah Abdeslam am Mittwoch vor Gericht in Paris. Dass er später in seinem Umfeld gesagt habe, der Gürtel habe nicht funktioniert, sei eine Lüge gewesen, bestätigte Abdeslam. »Ich habe mich geschämt angesichts der anderen.« Abdeslam ist der einzige Überlebende des Terrorkommandos.

Zuvor hatte Abdeslam zwei Stunden lang vor Gericht die Fragen der Anwälte nicht beantwortet. Nach seiner kurzen Aussage hüllte er sich erneut in Schweigen.

Am 13. November 2015 hatten jeweils drei mit Sprengstoffgürteln ausgestattete Männer im Konzertsaal Bataclan, vor Cafés und Restaurants in der Pariser Innenstadt und nahe dem Stade de France 130 Menschen getötet. 350 weitere Menschen wurden verletzt. Die neun Attentäter sind tot. Abdeslam war der einzige, der sich in der Tatnacht seines Sprengstoffgürtels entledigte und flüchtete.

Bei vorherigen Befragungen hatte Abdeslam sich verteidigt: »Ich habe niemanden getötet und niemanden verletzt «, sagte er im Februar. Später gestand er, an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen zu sein. Zu Beginn des Prozesses hatte er die Taten als Racheakt für französische Luftangriffe in Syrien erklärt.

Fahndungsfoto der Polizei von Salah Abdeslam aus dem November 2015

Fahndungsfoto der Polizei von Salah Abdeslam aus dem November 2015

Foto: Belgian Federal Police / AFP

Der Prozess hatte im September begonnen. Angeklagt sind 20 Männer, von denen sechs abwesend sind. Fünf von ihnen gelten als tot, einer sitzt in der Türkei in Haft. Neben Abdeslam sind vier Männer angeklagt, die mutmaßlich für den Einsatz bei Anschlägen vorgesehen waren. Die übrigen Angeklagten haben mutmaßlich logistische Hilfe geleistet, indem sie Abdeslam bei der Flucht halfen oder falsche Papiere besorgten.

sol/dpa/AFP
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