Neuwahl gefordert Tausende protestieren in Bangkok gegen Regierung

Seit Wochen gehen die Menschen in Thailands Hauptstadt auf die Straße und kritisieren die Politik. Bei der jüngsten Versammlung haben sich rund 10.000 Teilnehmer am Demokratiedenkmal in Bangkok versammelt.
Protestierende am Demokratiedenkmal im Zentrum von Bangkok

Protestierende am Demokratiedenkmal im Zentrum von Bangkok

Foto: Lauren DeCicca / Getty Images

Mehrere Tausend Menschen haben in Bangkok gegen die vom Militär dominierte Regierung Thailands demonstriert und Neuwahlen gefordert. Etwa 10.000 Protestierende versammelten sich am Demokratiedenkmal im Zentrum der Hauptstadt, wie die Organisatoren der Gruppe Free Youth (Freie Jugend) mitteilten.

Unter Protestrufen wie "Nieder mit der Diktatur" besetzten die Demonstranten die zentrale Kreuzung rund um das 1932 errichtete Denkmal. Die pro-demokratische Protestbewegung fordert den Sturz der Regierung und eine offene Debatte über die Rolle der Monarchie in Thailand.

Die Demonstranten fordern die Regierung auf, die Einschüchterung von Bürgern und politischen Gegnern zu stoppen. Zudem solle sie eine neue Verfassung entwerfen und das Parlament auflösen, was den Weg für eine Neuwahl ebnen würde. Die Proteste haben seit Mitte Juli an Antrieb gewonnen.

Free-Youth-Anführer kommt frei - und zeigt sich

Mehrere führende Mitglieder der Demokratiebewegung wurden zuletzt festgenommen. Ihnen werden unterschiedliche Vorwürfe zur Last gelegt, darunter Volksverhetzung, die in Thailand mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft werden kann.

An den Protesten am Sonntag nahm auch der Free-Youth-Anführer Parit Chiwarak teil. Er war vor mehr als einer Woche wegen Anstiftung zum Aufruhr sowie Verstößen gegen die Corona-Regeln festgenommen worden. Gegen Kaution kam der Studentenführer am Samstag frei - unter der Auflage, dass er dieselben Verstöße nicht wieder begehen dürfe. Als Parit sich trotz der Auflagen am Sonntag zeigte, jubelte ihm die Menge zu.

Parit Chiwarak bei einer Kundgebung am 7. August

Parit Chiwarak bei einer Kundgebung am 7. August

Foto: CHALINEE THIRASUPA/ REUTERS

An der Kundgebung beteiligten sich Demonstranten aller Altersgruppen. "Wir können die Studenten diesen schwierigen Weg nicht alleine gehen lassen", sagte eine 68-jährige Demonstrantin der Nachrichtenagentur AFP.

Derweil versammelten sich Anhänger der Regierung zu einer Gegenkundgebung. "Lang lebe der König", riefen mehrere der in der royalistischen Farbe Gelb gekleideten Demonstranten. Viele hielten Porträts des Königspaars in die Höhe.

Die Spannungen zwischen dem Monarchie-treuen Lager und pro-demokratischen Aktivisten in Thailand haben in den vergangenen zwei Wochen massiv zugenommen. Die teils von der Hongkonger Protestbewegung inspirierten Demonstranten fordern neben dem Rücktritt der Regierung auch die Abschaffung eines umstrittenen Gesetzes zum Schutz der Monarchie, das drakonische Strafen für Kritik am Königshaus vorsieht. Viele Demonstranten fordern zudem eine allgemeine öffentliche Debatte über die von der Armee unterstütze Monarchie.

In Thailand ist seit einem Putsch des Militärs 2014 der General Prayut Chan-o-cha an der Macht. Seit der Parlamentswahl 2019, die von Manipulationsvorwürfen überschattet wurde, ist er Ministerpräsident einer Koalitionsregierung. Prayut gilt als Verfechter konservativer thailändischer Werte. Seine Regierung geht hart gegen Gegner und Anhänger der Opposition vor.

kfr/dpa/AFP
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