Tigray-Konflikt Human Rights Watch wirft Truppen Eritreas Massaker vor

Soldaten sollen willkürlich auf Zivilisten geschossen haben, Zeugen berichten von Plünderungen: Menschenrechtler werfen dem Militär Eritreas Gräueltaten im Nachbarland Äthiopien vor.
Trauernde Frauen in Dengolat: Im Dorf sollen eritreische Soldaten ein Massaker verübt haben

Trauernde Frauen in Dengolat: Im Dorf sollen eritreische Soldaten ein Massaker verübt haben

Foto: EDUARDO SOTERAS / AFP

Nach Amnesty International wirft auch Human Rights Watch (HRW) den Truppen Eritreas vor, im Tigray-Konflikt in Äthiopien ein Massaker verübt zu haben. Schätzungen zufolge hätten eritreische Soldaten in Axum in der Region Tigray an zwei Tagen Ende November mehr als 200 Zivilisten getötet, teilte HRW mit . Die Uno sollte dringend eine unabhängige Untersuchung zu möglichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit starten, forderte die Menschenrechtsorganisation.

Mitte November zogen sich demnach Tigrays regionale Kräfte und Milizen aus der Stadt Axum zurück. Daraufhin beschossen äthiopische und eritreische Truppen die Stadt. Augenzeugen berichteten, wie Soldaten willkürlich auf Zivilisten geschossen hätten, wie HRW sagte. Rund eine Woche lang sei es zu Plünderungen gekommen. Milizen aus Tigray und Bewohner von Axum reagierten demnach mit einem Angriff auf eritreische Truppen, woraufhin es zu dem zweitägigen Massaker kam.

HRW sprach nach eigenen Angaben per Telefon mit 28 Augenzeugen sowie Angehörigen von Opfern und untersuchte Videos der Angriffe. Zuvor hatte Amnesty International das Massaker in Axum untersucht und nach eigenen Angaben die Namen von mehr als 240 Todesopfern erfasst.

Die Regierung teilte mit, dass »glaubhafte Berichte« über Gräueltaten und schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen in verschiedenen Teilen von Tigray, darunter in Axum, untersucht würden. Unabhängig davon untersuche die Ethiopian Human Rights Commission (EHRC) mehrere Vorfälle. Die Kommission habe signalisiert, dass sie bereit sei, mit Uno-Agenturen zusammenzuarbeiten, sagte die Regierung.

Die Regierung in Addis Abeba hatte im November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begonnen, die bis dahin in der gleichnamigen Region im Norden Äthiopiens an der Macht war. Hintergrund waren jahrelange Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung. Inzwischen sind weitere Akteure beteiligt, darunter eritreische Truppen und Milizen. Hunderttausende Menschen in Tigray sind auf humanitäre Hilfe angewiesen, allerdings hatten Hilfsorganisationen wegen der Sicherheitslage und bürokratischer Hürden lange keinen vollen Zugang zu allen Notleidenden. Jüngst versprach die äthiopische Regierung erneut, dies zu ändern.

asa/dpa
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