Tod von Breonna Taylor Sechs Schüsse - aber keine direkte Anklage gegen die Polizisten

Breonna Taylors Tod ist einer der Auslöser der Black-Lives-Matter-Bewegung. Nun wurde einer der beteiligten Polizisten angeklagt - nur nicht wegen der tödlichen Schüsse.
"Justice for Breonna": Unter diesem Motto demonstrieren Menschen seit Monaten gegen Polizeigewalt gegen Schwarze

"Justice for Breonna": Unter diesem Motto demonstrieren Menschen seit Monaten gegen Polizeigewalt gegen Schwarze

Foto: BRYAN WOOLSTON / REUTERS

Rund sechs Monate nach den tödlichen Polizeischüssen auf Breonna Taylor in ihrer eigenen Wohnung hat die US-Justiz einen Polizisten angeklagt - allerdings nicht wegen der tödlichen Schüsse. Dem inzwischen entlassenen Beamten Brett Hankison wird eine fahrlässige Gefährdung des Lebens anderer zur Last gelegt, wie der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Kentucky, Daniel Cameron, mitteilte.

Gegen zwei weitere Beamte werde keine Anklage erhoben, hieß es. Die Ermittler seien zu dem Schluss gekommen, dass die beiden anderen Polizisten sich selbst verteidigt hätten, sagte Cameron. Der Name der schwarzen Breonna Taylor war seit ihrem Tod im März zu einem Symbol der Bewegung gegen Rassismus und Polizeigewalt geworden.

Der Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der die Familie Taylor vertritt, twitterte von einer "empörenden und beleidigenden" Justizentscheidung. In der Stadt Louisville, wo Taylor im März getötet worden war, gingen Demonstranten auf die Straße. Bürgermeister Greg Fischer hatte aus Sorge vor Ausschreitungen bereits am Vortag den Ausnahmezustand verhängt. Die Polizei errichtete Barrikaden in der Innenstadt, Geschäfte und Restaurants schützten ihre Glasfassaden mit Sperrholzplatten.

In der eigenen Wohnung erschossen

Taylor war im März in Louisville, Kentucky, in ihrer Wohnung von Polizisten erschossen worden. Drei Zivilbeamte hatten die Wohnung bei einer nächtlichen Drogenrazzia gestürmt. Taylors Freund, der mit der 26 Jahre alten Rettungssanitäterin im Bett lag, glaubte nach eigenen Angaben an einen Überfall, gab mit seiner Waffe einen Schuss ab und verletzte einen Beamten. Die drei Beamten feuerten daraufhin ihre Dienstwaffen ab.

In Louisville, Kentucky, herrscht Ausnahmezustand, der Bürgermeister fürchtet Ausschreitungen

In Louisville, Kentucky, herrscht Ausnahmezustand, der Bürgermeister fürchtet Ausschreitungen

Foto: CARLOS BARRIA / REUTERS

Nach Angaben von Generalstaatsanwalt Cameron wurde Taylor von sechs Kugeln getroffen, von denen eine tödlich war. Ihr Freund blieb unbehelligt. Insgesamt gaben die Polizisten 32 Schüsse ab. Der verletzte Beamte und der neben ihm stehende Polizist hätten rechtmäßig auf den Schuss von Taylors Freund mit eigenen Schüssen reagiert, sagte Cameron. Der dritte Polizist traf Taylor offenbar nicht selbst, mehrere seiner Schüsse gingen aber in eine Nachbarwohnung. Ihm wird deswegen eine fahrlässige Gefährdung des Lebens anderer in drei Fällen zur Last gelegt. Für jeden dieser Anklagepunkte stehen bis zu fünf Jahre Haft.

Weltweite Empörung

Der Fall sorgte weltweit für Empörung. Bei den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz Ende Mai wurden immer wieder auch Taylors Bild gezeigt und ihr Name genannt. Neben Floyd ist sie eine der Symbolfiguren der Black-Lives-Matter-Bewegung.

Prominente wie die Sängerin Beyoncé, Moderatorin Oprah Winfrey, Basketballstar LeBron James oder Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton forderten Gerechtigkeit für Taylor. Mitte September einigte sich Taylors Familie mit der Stadt Louisville auf eine Entschädigungszahlung von zwölf Millionen Dollar, um den zivilen Rechtsstreit beizulegen. Zudem sehe eine Vereinbarung verbindliche Reformen der Polizeibehörde in Louisville vor, hatte Bürgermeister Fischer gesagt.

hba/dpa/AFP
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