Nach Protest gegen Todesstrafe Iran setzt offenbar Hinrichtungen von drei Demonstranten aus

Drei junge Männer sollten in Iran für ihre Beteiligung an Protesten im Herbst 2019 hingerichtet werden. Jetzt teilt ihr Anwalt mit, die Todesurteile seien ausgesetzt. Zuvor hatten Millionen protestiert.

Millionen hatten in Iran in sozialen Medien gegen die Todesurteile protestiert, nun zeigt die "No to Execution"-Kampagne offenbar Wirkung: Iranische Justizbehörden setzten die Todesurteile gegen Amirhossein M., Saeid T. und Mohammad R. am Sonntag wohl aus. Das teilte der Anwalt der drei Männer, Babak Paknia, mit. Wörtlich schrieb er bei Twitter , der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens sei angenommen worden.

Die drei Männer hatten sich an den Protesten im November 2019 beteiligt. Damals hatte die Erhöhung der Benzinpreise zu tagelangen Unruhen in Iran geführt. Sicherheitskräfte waren gewaltsam gegen die Protestierenden vorgegangen .

Die politische Führung bezeichnete die Demonstranten als bezahlte Söldner der iranischen Erzfeinde USA, Israel und Saudi-Arabien. Sie wollten aus Sicht Irans nicht gegen die höheren Benzinpreise protestieren, sondern mit Sabotageaktionen das iranische System schwächen oder gar stürzen.

#DontExecute: "Ich bin der Nächste, du bist der Nächste, wir sind die Nächsten"

Der landesweite Protest, an dem die Männer teilgenommen hatten, war von weiten Teilen der iranischen Gesellschaft getragen worden. Binnen weniger Stunden nach dem Todesurteil gegen die drei jungen Demonstranten hatten sich Mitte Juli Millionen Social-Media-Nutzer gegen den Richterspruch gestellt.

Unter den Onlineaktivisten gegen die Urteile waren auch prominente iranische Künstler wie der zweifach Oscar-gekrönte Filmemacher Asghar Farhadi. "Macht das traurige Leben der Iraner nicht noch bitterer... Nein zur Hinrichtung", schrieb Farhadi auf seiner Instagram-Seite.

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"Ich bin der Nächste, du bist der Nächste, wir sind die Nächsten", lautete ein Meme, das online weitverbreitet war. #DontExecute - Keine Hinrichtung - war laut Twitter der am meisten genutzte Hashtag in Iran am Dienstagmittag auf Persisch. Iraner auf der ganzen Welt schlossen sich der Kampagne an. Auch auf den in Iran populären Plattformen Instagram und Telegram posteten Iranerinnen und Iraner dazu.

Justizsprecher Ismaili hatte die Urteile nach dem Richterspruch damit verteidigt, die drei seien gewaltbereite Anführer der Unruhen gewesen und hätten mehrere öffentliche Einrichtungen und Verkehrsmittel in Brand gesetzt. Ihre Aktionen hatten die Verurteilten auch mit dem Handy aufgenommen. Die Videos sah das Gericht als eindeutige Beweise an.

Die iranische Regierung hat bislang keine genauen Angaben zu den Todesopfern der Proteste gemacht. Laut unbestätigten Berichten sollen 200 Menschen - Demonstranten und Polizisten - bei den Unruhen im vergangenen Jahr getötet worden sein. Internationale Quellen sprechen von weitaus mehr Toten. Zudem wurden laut Iran damals über tausend Demonstranten verhaftet.

cht/Reuters
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