Krise bei den Konservativen Tory-Abgeordneter wechselt aus Wut über Johnson zu Labour

Der britische Premier Johnson sieht sich wegen Partys im Coronalockdown mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Auch in der eigenen Partei schwindet der Rückhalt.
Der Abgeordnete Christian Wakeford im Parlament

Der Abgeordnete Christian Wakeford im Parlament

Foto: House Of Commons / dpa

Bei den britischen Konservativen brodelt es nach den Enthüllungen über Partys im Amtssitz des Premiers Boris Johnson während des Coronalockdowns. Nun hat ein Abgeordneter kurz vor der wöchentlichen Fragestunde mit Johnson im britischen Parlament das Lager gewechselt. Der Tory-Abgeordnete Christian Wakeford sitzt künftig bei der oppositionellen Labourpartei.

Seinen Wechsel begründete er laut der Lokalzeitung »Bury Times«  mit einer großen Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit. Großbritannien brauche eine Regierung, die sich auf einen Weg aus der Pandemie konzentriere und hohe Standards an Integrität lege. »Leider haben sich der Premier und die Konservative Partei als Ganzes unfähig gezeigt, die Führung anzubieten, die dieses Land braucht«, schreibt er in einem Brief an seine Partei. Labourchef Keir Starmer hieß Wakeford willkommen.

Der Abgeordnete für den Wahlkreis Bury South war erst durch Johnsons fulminanten Wahlsieg 2019 ins Parlament gewählt worden. Die Interessen seiner Wähler würden nun am besten von Labour vertreten, teilte Wakeford mit.

Johnson zu Rücktrittsforderungen: »Nein«

Johnson steht wegen Partys in seinem Amtssitz mitten im Coronalockdown erheblich unter Druck – mittlerweile auch in den eigenen Reihen. Sein Ansehen in der Bevölkerung und der Partei gilt bereits jetzt als schwer beschädigt. Es wurden bereits Rücktrittsforderungen laut, auch von Konservativen. Gleich zu Beginn einer heutigen Aussprache im Parlament wurde Johnson von Labour gefragt, ob er zurücktreten werde.

Der Premier antwortete mit einem schlichten »Nein.« Er wolle zunächst die Ergebnisse einer internen Untersuchung zu den umstrittenen Partys abwarten. Auf die Untersuchung verweist Johnson bereits seit Beginn der Partyaffäre.

Der Tory-Abgeordnete David Davis wandte sich wie mehrere Oppositionsvertreter an Johnson und forderte ihn zum Rücktritt auf. Davis sagte, er erwarte, dass Leute wie Johnson Verantwortung für ihre Handlungen übernehmen. Am Dienstag habe der Premierminister das Gegenteil getan. Bei allem Guten, das Johnson getan habe, sitze er zu lange auf dem Stuhl des Regierungschefs. »In Gottes Namen, gehen Sie!«

Bisher haben sieben Abgeordnete dem Premier öffentlich ihr Misstrauen ausgesprochen. Nach Recherchen britischer Medien könnten es rasch mehr werden: Mehrere Konservative planen demnach, Misstrauensschreiben gegen Johnson einzusenden.

Im Parlament in London braucht es nach aktuellem Stand 54 entsprechende Briefe, um eine Vertrauensabstimmung zu erwirken – 15 Prozent der 360 konservativen Abgeordneten. In geheimer Wahl in der Fraktion müsste der Premier dann mindestens 50 Prozent der Mitglieder auf seine Seite bekommen, um die Abstimmung zu überstehen.

mrc
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