Politisches Tohuwabohu Italien hat auch nach dem sechsten Wahlgang noch kein neues Staatsoberhaupt

Trotz zweier Wahlgänge an einem Tag hat Italien noch kein neues Staatsoberhaupt. Inzwischen wünschen sich die Vorsitzenden der wichtigsten Parteien eine Frau im Präsidentenamt. Es wäre das erste Mal.
Auszählung im italienischen Parlament

Auszählung im italienischen Parlament

Foto: Filippo Monteforte / AP

Noch immer ohne »Presidente«: Italien sucht weiter ein neues Staatsoberhaupt. Auch im sechsten Wahlgang erhielt niemand die absolute Mehrheit von 505 Stimmen, wie der Präsident der Abgeordnetenkammer, Roberto Fico, nach der Auszählung am Freitagabend in Rom verkündete. 336 Politiker stimmten für den noch amtierenden Präsidenten Sergio Mattarella, 445 enthielten sich und 106 gaben leere Zettel ab. Ein siebter Wahlgang soll am Samstag ab 9.30 Uhr abgehalten werden.

Die Präsidentenwahl dauert seit Montag an, am Freitag wurden gleich zwei Wahlgänge durchgeführt. 1009 Parlamentarier und Regionenvertreter sind aufgerufen, in der Abgeordnetenkammer in Rom ihre Stimmen abzugeben.

Senatspräsidentin Casellati erhielt nicht die erforderliche Mehrheit

Im fünften Durchlauf votierten die meisten für die aktuelle Präsidentin des Senats, Maria Elisabetta Casellati. Mit 382 Stimmen scheiterte die Politikerin der konservativen Forza Italia jedoch an der erforderlichen absoluten Mehrheit.

Italiens Politik scheint damit auf der Suche nach einem Mann oder einer Frau für das höchste Amt im Staat weiter gespalten. Wegen der komplizierten Lage trafen sich am Abend die Parteichefs der Lega, der Sozialdemokraten und der Fünf-Sterne-Bewegung, die zusammen einen beträchtlichen Teil der Stimmen hinter sich vereinen. Lega-Chef Salvini sprach sich anschließend vor Journalisten für eine »tüchtige Frau« als Staatspräsidentin aus, ohne einen Namen zu nennen. Sterne-Parteichef Giuseppe Conte erklärte ebenfalls, auf eine weibliche Präsidentin zu hoffen. Es wäre das erste Mal in der Geschichte Italiens.

col/dpa