Neue Tonaufnahme Trump-Anwalt Giuliani setzte Ukraine wegen Biden unter Druck

Immer wieder kommt Rudy Giuliani auf »diese Biden-Sache« zu sprechen: Ein Audio-Mitschnitt belegt laut CNN, wie Donald Trumps persönlicher Anwalt versucht hat, in der Ukraine Ermittlungen gegen Joe Biden anzuschieben.
Rudy Giuliani (im November 2020)

Rudy Giuliani (im November 2020)

Foto: JONATHAN ERNST / REUTERS

Das Gespräch im Juli 2019 dauert rund 40 Minuten. Teilnehmer sind Rudy Giuliani, persönlicher Anwalt des damaligen US-Präsidenten Donald Trump, der US-Diplomat Kurt Volker und Andrej Yermak, einer der wichtigsten Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Und es ist Trumps Getreuer Giuliani, der immer wieder auf dasselbe Thema zu sprechen kommt: mögliche Ermittlungen in der Ukraine gegen Joe Biden. CNN hat nun einen Mitschnitt des Gesprächs ausgewertet . Laut dem Sender versucht Giuliani mehrfach, Druck aufzubauen. An einer Stelle sagt er demnach: »Alles, was wir brauchen, ist, dass Präsident Selenskyj sagt: ›Ich setze einen ehrlichen Ermittler ein, der die Beweise ausgräbt, die es schon gibt.‹ Und gibt es noch mehr, das für eine Beteiligung in 2016 spricht? Und dann muss diese Biden-Sachen bis zum Ende verfolgt werden.«

Jemand in der Ukraine müsse das ernst nehmen, schiebt er dann noch hinterher. Und er legt nahe, dass mögliche Ermittlungen positive Auswirkungen auf das diplomatische Verhältnis beider Länder haben könnten.

Hinter Giulianis Bemühungen steckt die Behauptung des Trumps-Lagers, vor der Wahl 2016 hätten Kräfte in der Ukraine versucht, Trump zu schaden. Für dieses Verschwörungsmärchen gibt es keinerlei Belege. Offenbar hatte Giuliani aber, wie im aktuellen Ausschnitt zu hören, mit Nachdruck versucht, eine Untersuchung dazu zu erzwingen und Biden in ein schlechtes Licht zu rücken. Eine offizielle Untersuchung hätte den haltlosen Behauptungen eine gewisse Legitimität verliehen.

Das Gespräch darf wohl auch als Vorläufer zu dem Telefongespräch vom 25. Juli zwischen Trump und Selenskyj gewertet werden. Darin hatte Trump Selenskyj in dem Gespräch mehrfach aufgefordert, mit seinem Anwalt Giuliani zusammenzuarbeiten, um Ermittlungen gegen Joe Bidens Sohn Hunter einzuleiten. Der Sohn des Ex-US-Vizepräsidenten arbeitete zeitweise für eine ukrainische Firma.

Immer wieder haben die Fahnder Fragen an Giuliani

Wie später bekannt wurde, hielt Trump die Zahlung von US-Hilfsgeldern an die Ukraine zurück, um von Kiew belastendes Material über Biden zu bekommen. Davon erhoffte er sich offenbar einen Vorteil bei der Wahl 2020. Das Gespräch war einer der Auslöser für das erste Impeachment-Verfahren gegen Trump, bei dem dieser mit den Stimmen seiner Partei freigesprochen wurde.

Giuliani war zuletzt erneut in den Fokus von US-Ermittlern geraten. Diese hätten sich unter anderem mit einer Europareise von Giuliani im Dezember 2019 befasst, bei der er laut »New York Times« mehrere Vertreter der Ukraine traf. Die Frage ist, ob sich frühere und aktuelle Offizielle aus der Ukraine in die US-Präsidentschaftswahl 2020 eingemischt haben – und welche Rolle Giuliani dabei gespielt haben könnte.

jok
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